Samstag, 12. Juni 2010

Ein Toter hing im Netz (1959)

Mit EIN TOTER HING IM NETZ hat Regisseur Fritz Böttger 1959 eine Seltenheit inszeniert, einen schundigen und vor Naivität strotzenden, bundesdeutschen Horror-Trash, dessen Schauwerte einzig in acht flotten Damen im Bikini und ein paar herrlich dämlichen Gruseleffekten bestehen.

Die Story: eine Gruppe Tanzgirls und ihr Manager Gary stranden auf dem Weg nach Singapur nach einer Flugzeugkatastrophe auf einer einsamen Insel. Dort entdecken sie einen toten Wissenschaftler (ja, den Mann im Netz), und Gary wird von einer Riesenspinne überfallen, die wie ein Relikt aus der Muppet Show aussieht. Er verwandelt sich in ein grässliches Ungeheuer, halb Mensch, halb irgendwas mit Fell, das zur Jagd auf die hübschen Mädels bläst...

EIN TOTER HING IM NETZ besitzt einen fürchterlich nostalgischen Charme, in der richtigen Stimmung macht er unglaublich viel Spaß, und er ist vollkommen unprätentiös. Inhaltlicher oder künstlerischer Anspruch werden gar nicht erst vorgegaukelt, hier soll billig und schnell der Zuschauer mit wohlgeformten Beinen und etwas Gekreische erregend unterhalten werden. Die junge Barbara Valentin darf gleich nach dem Vorspann ihren Rock heben und das Strumpfband richten. Sie und die übrigen Damen behalten nach der Katastrophe die bequemen High Heels an, mit denen sie quiekend über die Insel stöckeln. Intelligentes Leben ist nirgendwo zu finden, weder auf der Insel noch unter den Schiffbrüchigen. Wenn Anführer Gary bemerkt: "Hier scheint es Uran zu geben!", was er nach Auffindung eines Hammers feststellt (hä?), erwidert eine der Damen: "Ist das was zu essen?"
Dazu müssen sich die Fräuleins bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit lasziv gegen Baumstämme lehnen, mit den Lippen beben oder sich heiße Catfights im Abendkleid liefern. Die Dialoge sind durchweg haarsträubend schlecht (Valentin zu Gary: "Ich war schon mal in Singapur!" - Gary zurück: "So siehst du auch aus!"), von Spannung oder schauspielerischen Talenten ist nichts zu Sehen, schließlich taucht noch Synchron-Legende Rainer Brandt als lüsterner Säufer auf. Manchmal gelingt Regisseur Böttger tatsächlich ein Gruseleffekt, wenn Klauen aus dem Dickicht nach den Mädels grabschen. Wenn man für Müll dieser Art eine Antenne hat, ist der Film ein Knaller. Er war relativ erfolgreich, sogar im Ausland, wo er unter dem Titel "Horrors of Spider Island" lief.

Der kleine Schund-Klassiker liegt hier mit 80 Minuten gekürzt vor, ich kann allerdings nicht sagen, was fehlt, da ich den Film nie vollständig gesehen habe. Die Bildqualität ist eigentlich in Ordnung, es gibt aber immer wieder schlimme, plötzliche Spratzer und Sprünge, die das Vergnügen eher steigern, weil man sich beim Anschauen wie in einem verlotterten alten Bahnhofskino vorkommt, wo der Film eindeutig hingehört. Die Extras sind zahlreich, aber nicht weiter aufregend: US-Trailer, TV Trailer, Bildergalerie und Ausschnitte aus der englischen Fassung, dazu gibt es ein 30-minütiges Hörbuch "The Invisible Girl" (englisch gesprochen) nach Mary Shelley, das allerdings keine Freude macht.

03/10

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