Samstag, 13. Februar 2010

Ein Goldfisch an der Leine (1964)

Wenn Bären auf Mopeds durch die Wälder rasen, Fische Selbstmord begehen, Krawatten der Herren sich in Reißverschlüssen der Damen verfangen, wenn Rock Hudson unfreiwillig seinen Salat mit Raupen-Einlage verspeist, dann könnte es sich um einen Film von Howard Hawks handeln.

EIN GOLDFISCH AN DER LEINE (Man's Favorite Sport) aus dem Jahr 1964 gilt allgemein als nicht besonders großer Wurf des legendären Screwball-Spezialisten. Aus heutiger Sicht aber vermag der Goldfisch trotz einiger kompletter Albernheiten herrlich zu unterhalten. Die Komödie hat Pfiff und Tempo, überhaupt keinen Realitätssinn und mit Rock Hudson und Paula Prentiss zwei sehr entspannte Hauptdarsteller, zwischen denen zwar keinerlei Funken sprühen (sie wirken mehr wie gute Kumpels), die aber zu jedem Unfug bereit sind und offensichtlich viel Spaß bei der Arbeit haben, was sich locker auf den Zuschauer überträgt.

Die Story: der beliebte Angelfachverkäufer Hudson soll für seinen Chef an einem Wettangeln teilnehmen, um die Firma zu repräsentieren, doch hat er im Leben keinen einzigen Fisch gefangen - oder sich eine Frau geangelt. Höchste Zeit, beides zu lernen... mit absurden Komplikationen, versteht sich.

Im Grunde ist EIN GOLDFISCH AN DER LEINE ein Best-Of von Hawks' früheren Komödien und mehr Nummernrevue als durchgängige Geschichte. Die Grundidee des unfähigen Anglers wurde wiederum dem Klassiker "Lustige Sünder" entnommen. Dort suchte bereits William Powell sein Glück beim Fischfang. Zum Glück sind aber die Einfälle so zahlreich, die Situationen so skurril, dass keine Langeweile aufkommt. Neben einigen Geschmacksverirrungen (wie der "Indianer" mit Stammesweisheiten, der für Geld alles tut) wechseln sich Gags, Missverständnisse und Verwechslungen locker ab.

Hudson verkörpert dabei den typisch Hawkschen Helden mit Potenzschwäche (man denke an Cary Grant in "Leoparden küsst man nicht"), der von einer exzentrischen Frau zur Manneskraft geführt wird. Die Fische bzw. das Jagen sind dabei eindeutig sexuelle Metaphern. Hudson kann mit Fischen nichts anfangen, also zwingt ihn Prentiss, einen gefangenen Fisch so lange in der Hand zu behalten, bis er sich an ihn gewöhnt hat. Nebenbei diskutieren Prentiss und Freundin Maria Perschy das weitere Vorgehen, während es in Strömen regnet und ihre Blusen immer durchsichtiger werden, was natürlich nur Rock Hudson auffällt ("Was haben Sie denn, Roger?" - "Sie sehen aus, als wenn Sie gar nichts anhätten!"). Je mehr Selbstsicherheit Hudson beim Angeln bekommt, desto eindeutiger werden auch die erotischen Annäherungen.

Rock Hudson spielt das alles mit viel Understatement und konstant schlechter Laune, die sehr attraktiv ist. Paula Prentiss liefert ihre überhaupt beste Leistung als vollkommen durchgeknallte Abigail, die jede Situation unter Kontrolle und immer das letzte Wort hat - bis es um die Liebe geht, wo sie nur noch stottern kann. Den Krieg der Geschlechter hat Howard Hawks immer wieder in seinen Komödien inszeniert, und auch hier scheint Hudson am Ende zu siegen, doch hat Prentiss erst den Weg dorthin geebnet und sich schlussendlich den Junggesellen geangelt.

EIN GOLDFISCH AN DER LEINE ist mit Sicherheit nicht die beste Filmkomödie aller Zeiten, doch für einen vergnügten Sonntagnachmittag oder einen gelungenen Filmabend ist dank vieler Lacher gesorgt. Übrigens war die Zeit von Filmkomödien wie dieser bereits damals fast vorbei. Die sexuelle Revolution wartete, und mit ihr änderte sich auch das Komödienverständnis. EIN GOLDFISCH AN DER LEINE war einer der letzten Filme seiner Art.

07/10

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