Mittwoch, 17. Februar 2010

Ein einziger Augenblick (2007)

Der Inhalt in Kürze: der Sohn des Ehepaares Ethan und Grace (Joaquin Phoenix und Jennifer Connelly) stirbt bei einem Unfall mit Fahrerflucht. Was niemand weiß: bei dem Täter handelt es sich ausgerechnet um Ethans Anwalt (Mark Ruffalo), der ihm helfen soll, den Schuldigen zu finden...

Diese Konstruktion könnte leicht unglaubwürdig oder bemüht wirken, da der Film aber seine gesamte Spannung aus der Frage bezieht, wann Phoenix hinter das Geheimnis kommt und was daraus folgt, ist man bereit, sie zu akzeptieren.
Man darf grundsätzlich froh sein, dass es Filme wie EIN EINZIGER AUGENBLICK (Reservation Road) von Terry George ("Hotel Ruanda") überhaupt noch gibt, auch wenn er mich nicht in letzter Konsequenz überzeugt hat. Er nimmt seine Charaktere ernst, bringt die Schauspieler zu Glanzleistungen und den Zuschauer zum Mitdenken- und fühlen.

Der Verlust des Kindes und die Reaktionen der Familie werden sensibel inszeniert und von dem beeindruckenden Star-Ensemble stark gespielt, wobei man sagen muss, dass die Männer eindeutig dominieren. Jennifer Connelly und die von mir sehr geliebte Mira Sorvino als Ruffalos Ex-Frau rücken in den Hintergrund, was schade ist, da der Konflikt Connellys (sie gibt sich die Schuld am Unfall) ebenso spannend ist wie das Männer-Duell. EIN EINZIGER AUGENBLICK verzichtet wohltuend auf simple Schuldzuweisung sowie ein Gut/Böse-Schema, indem er Mark Ruffalo genügend menschliche Motive für sein Handeln gibt. Wenn Joaquin Phoenix ihm langsam auf die Spur kommt, weiß man nicht genau, welchen Ausgang der Geschichte man sich eigentlich wünschen soll.

Leider verlaufen einige Handlungsstrecken etwas zu vorhersehbar, und der Film bietet - quasi wie nach dem Lehrbuch - alles, was man bei einem solchen Drama erwartet: die trauernden Eltern geraten in Streit und entfremden sich, die Polizei ist machtlos, die eigenen Recherchen führen zum Erfolg, eine Waffe kommt ins Spiel, etc. Hier fehlte mir ein bisschen mehr Mut zu Originalität. Hin und wieder tendiert Regisseur George zu allzu deutlichen Zeigefingern, etwa wenn Ruffalos Sohn seinem Vater von einem "feigen" Mitschüler berichtet, wobei das Wort "feige" so oft wiederholt wird, bis auch der Letzte verstanden hat, dass Papa Ruffalo ein Feigling ist. im Aufarbeiten der Selbstjustiz-Thematik, auf die der Film zusteuert, bleibt der Film auf moralisch sicherer Seite und geht nicht das Risiko ein, den Zuschauer vor den Kopf zu stoßen. Der ähnlich gelagerte "In the Bedroom" von 2001 (sehr empfohlen) geht da schon deutlich weiter in seiner Konsequenz und bleibt vielleicht einprägsamer in der Erinnerung. John Schlesingers "Auge um Auge" hingegen ist um Welten schwächer.

Das klingt zwar nach viel Kritik, ich habe EIN EINZIGER AUGENBLICK aber dennoch gern gesehen und kann ihn all jenen empfehlen, die gut gespielte Dramen mögen, nach denen man sich nicht unbedingt besser fühlt. Für einen netten Video-Abend ist er jedenfalls weniger geeignet.

05/10

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