Mittwoch, 17. Februar 2010

Eine andere Frau (1988)

Woody Allens große Bewunderung für Ingmar Bergman, insbesondere für dessen Meisterwerk "Wilde Erdbeeren", hat sich in mehreren Filmen gezeigt, u.a. in "Harry außer sich". Und auch "Eine andere Frau" hat einen thematisch identischen Ansatz - die Suche nach der eigenen Vergangenheit. Hier ist es die Professorin Marion (Gena Rowlands), welche die Gespräche einer Psychotherapie-Patientin (Mia Farrow) belauscht und ihr eigenes Leben überdenken muss. "Wenn es nicht kaputt ist, muss man es auch nicht reparieren", das ist der Leitspruch von Marion, die erst nach und nach merkt, dass bereits alles kaputt ist und ihr Leben in Scherben liegt. Aus der kühlen Intellektuellen wird durch ihre Reise eine offenere und wärmere Frau, und sie findet die Kraft, ihr Leben neu zu ordnen.

"Eine andere Frau" ist ein völlig unspektakuläres, leises, ernstes und sehr unterschätztes Allen-Werk, das vor allem von den brillanten Darstellern und Dialogen lebt. Der Film wird von Gena Rowlands mühelos getragen, in Nebenrollen glänzen Gene Hackman, Sandy Dennis und Ian Holm. Für die gedämpften, exquisiten Bilder nutzt Woody Allen die Kunst des Bergman-Kameramanns Sven Nykvist, ein Meister der Ausleuchtung. Tatsächlich ist "Eine andere Frau" ein Fest für die Augen und sicher eines von Allens visuell schönsten Werken.

Woody Allen beweist zudem (wieder einmal) gegen alle Vorurteile, welch intelligentes Gespür er gerade für sensible, vielschichtige Frauenfiguren besitzt. Es ist ein positiver Film, der trotz seiner Ernsthaftigkeit nicht deprimiert. Anspruchsvolles Kino für Erwachsene und ein echter Geheimtipp.

08/10

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