Mittwoch, 17. Februar 2010

Ehemänner und Ehefrauen (1992)

EHEMÄNNER UND EHEFRAUEN aus dem Jahr 1992 gehört zu den kompromisslosesten Werken Woody Allens, der in seiner filmischen Karriere ohnehin kaum Kompromisse machte.

Die dokumentarische Qualität, die intensiven Darstellerleistungen und ein fantastisches Drehbuch voller intelligenter Beobachtungen und Fragen über Beziehungen, was sie ausmacht, warum sie enden, was die Alternativen sind, das alles macht EHEMÄNNER UND EHEFRAUEN zu dem vielleicht reifsten und auch besten Film, der unter Allens Regie je entstand.
Allens privater Skandal, der in Scheidungskrieg und öffentlicher Verachtung mündete, begann während der Dreharbeiten - möglicherweise ein Grund für den wirklich verstörenden Ton des Films und die aufreibenden Dialog-Duelle der Protagonisten. Aber auch ohne diesen Hintergrund bleibt das Drama mit gelegentlich bitter-komischen Momenten ein starkes Erlebnis, für das man als Zuschauer durchaus Nerven braucht.

EHEMÄNNER UND EHEFRAUEN erzählt von zwei befreundeten Ehepaaren (Sydney Pollack/Judy Davis und Mia Farrow/Woody Allen), die ihr Zusammensein befragen. Während sich eines der Paare trennen will, versucht das andere, einen Grund fürs Weitermachen zu finden. Alle Charaktere orientieren sich neu, dabei entstehen neben vielen Verletzungen, Selbsterkenntnissen und Versagen sowohl neue als auch bekannte Konstellationen.
Kameramann Carlo diPalma filmt das Beziehungsdrama mit konstant unruhiger Handkamera. Kameraproben gab es nicht, DiPalma sollte nur den Darstellern folgen und einfangen, was er bekommen konnte. Dadurch entsteht ein Cinéma Vérité-Stil, der den Zuschauer gleichzeitig hineinzieht und außen vorlässt.

Das Ensemble spielt auf höchstem Niveau, herausragend aber bleibt Judy Davis mit ihrer Darstellung einer neurotischen, unsicheren Frau, die vor dem Abenteuer Single-Leben steht und nichts damit anfangen kann. In Nebenrollen spielen ein sehr attraktiver und entspannter Liam Neeson als Mia Farrows Objekt der Begierde sowie Juliette Lewis als junge Verführerin mit mehr (oder weniger?) Problemen als alle anderen Figuren zusammen. Woody Allen räumt in EHEMÄNNER UND EHEFRAUEN mit vielen Filmklischees auf, er findet keine "letztendliche" Wahrheit über Beziehungen, er propagiert weder Liebe, noch Ehe, Sex oder Karriere als Allheilmittel gegen menschliche Schwächen, Einsamkeit oder innere Leere. Jeder seiner Charaktere muss seinen eigenen Weg finden, als Zuschauer kann man nur zusehen, staunen und sich vielleicht selbst einige ungemütliche Fragen stellen. Keine leichte Kost für jeden Abend, aber lohnendes Kino in jeder Beziehung.

09/10

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