Mittwoch, 17. Februar 2010

Duplicity (2005)

"Duplicity" (im Original: "Trouble") erzählt von dem jungen Fotografen Matyas (Benoit Magimel), der plötzlich von der Existenz eines Zwillingsbruders erfährt. Dieser zwielichtige Bruder (ebenfalls Magimel) erschleicht sich schnell das Vertrauen von Matyas' Familie und ist dabei, ihm das harmonische Familienleben zu stehlen, das er selbst gern hätte.

Dieser französische Psycho-Thriller beginnt sehr vielversprechend und stimmungsvoll, doch der gute Eindruck wird bald zerstört, wenn immer mehr Ungereimtheiten und offensichtlich falsche Spuren gelegt werden. Die Identität der mysteriösen Ehefrau des "bösen" Zwillings etwa wird so übertrieben im Dunkeln gelassen (wir sehen immer nur Umrisse und Teilausschnitte von ihr), dass man schnell begreift, um wen es sich dort wirklich handelt (zumal die Synchronstimme ihn/sie umgehend verrät). Die Logik-Fragen werden zunehmend erdückender, und die Auflösung bringt zwar einige Klarheit, wirft aber gleich neue Fragen auf, die alle unbeantwortet bleiben (und im Rückblick auch keinen Sinn ergeben). Aus Gründen der Fairness möchte ich nicht näher darauf eingehen, doch wer hofft, ein befriedigendes Finale zu bekommen, der wird sehr enttäuscht werden. Das mag bei vielen Filmen (bei Regisseuren wie Lynch oder Haneke) durchgehen, hier nicht. Dazu ist "Duplicity" insgesamt zu wenig künstlerisch und hat neben seinem Plot thematisch nichts zu erzählen.
Benoit Magimel meistert seine Doppelrolle hervorragend und trägt den Film mühelos, aber es wird zu wenig Mühe aufgewendet, die beiden Brüder unterschiedlich zu gestalten. Der eine ist netter, der andere hinter seiner gespielt netten Fassade unheimlich, das war's dann auch schon. Dass man als Zuschaur selbst die Orientierung über die beiden Identitäten verliert, ist natürlich beabsichtigt, aber es bringt den Thriller keinen Schritt weiter. Natacha Regnier als schwangere Ehefrau von Magimel ist leider mit einer undankbaren Rolle gestraft und bekommt keine Gelegenheit, ihr Können zu zeigen.
Formal kann man "Duplicity" am besten als kunstgewerblich bezeichnen. Er nutzt viele technische Tricks (die Split-Screen-Technik für Magimels Doppelrolle ist nahezu fehlerfrei und sehr beeindruckend), Soundeffekte und künstliche Farben. Die Kamera ist immer in Bewegung und verleiht dem Thriller einen alptraumähnlichen Charakter, aber über die meiste Zeit sind dies alles rein äußerliche Spielereien, die hübsch anzsuchauen sind und mehr nicht. Für meinen Geschmack benutzt Regisseur Harry Cleven darüber hinaus zu viele Großaufnahmen, die sich schnell erschöpfen. Mit etwas mehr Liebe zum Detail und zu seinen Figuren hätte aus "Duplicity" vielleicht ein fesselnder Thriller werden können. Positiv kann man sagen, dass der Film interessanter ist als vergleichbare US-Produktionen, da er mehr Wert auf Stimmung und Beunruhigung des Zuschauers legt als auf Action oder eine lineare Erzählweise. Auf merwürdige Weise ähnelt er dem Nicole Kidman-Drama "Birth", das sich ebenfalls nicht entscheiden konnte, was es eigentlich sein wollte und irgendwo zwischen Kunst und Leere hängen blieb.
Fazit: "Duplicity" ist ein technisch ausgefeiltes Psycho-Drama, das gerne eine Thriller wäre, aber dazu fehlt es deutlich an Spannung und interessanten Figuren. Trotz einer unheilschwangeren Atmosphäre und einigen guten Szenen bleibt der Film kalt und unnahbar. Ich würde "Duplicity" experimentierfreudigen Vielsehern empfehlen. Geschmackssache.

06/10

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