Mittwoch, 17. Februar 2010

Drag Me to Hell (2009)

Die Meinungen über Sam Raimis DRAG ME TO HELL von 2009 gehen weit auseinander, ich selbst war eher enttäuscht, was vielleicht an der Erwartungshaltung lag. Eine Rückkehr zu den Wurzeln des "alten" Raimi ist er nicht wirklich, wenn man von einer sehr deutlichen "Evil Dead"-Anspielung im Mittelteil absieht, dazu ist er insgesamt zu harmlos. Einige bizarre Einfälle (wie das schlimmste Nasenbluten der Filmgeschichte oder ein Auge im Schokokuchen) heben ihn aber vom Gros des aktuellen Horrorkinos ab.

DRAG ME TO HELL erzählt von der jungen Bankangestellten Christine (Alison Lohman), die einer alten Dame aus Osteuropa einen Kredit verweigert und daraufhin von dieser mit einem Fluch belegt wird, der sie in wenigen Tagen direkt in die Hölle katapultieren wird...

Raimis Film ist hübsch bunt gefilmt, von Christopher Young wunderbar orchestriert und überwiegend gut gespielt, über Hauptdarstellerin Alison Lohman kann man sich streiten. Sie ist attraktiv und muss eine Menge Slapstick und Fights über sich ergehen lassen, da wünscht man sich doch manchmal den guten alten Bruce Campbell zurück. Als Bankangestellte mit dem erbärmlichen Traum vom Karriereschub ist sie eine zwiespältige Sympathieträgerin. Im Grunde gönnt man ihr, was sie bekommt, trotzdem kann sie einem Leid tun. Justin Long (der dem jungen Raimi sehr ähnlich sieht) hat den witzigsten Part. Der Plot orientiert sich deutlich am klassischen Vorbild "Der Fluch des Dämonen" von Jacques Tourneur, einem der besten Horrorfilme aller Zeiten, und als Neuinterpretation ist DRAG ME TO HELL durchaus interessant. Leider wird der satirische Ansatz (die Story als Allegorie zur Finanzkrise) nicht schlüssig entwickelt und bleibt letztlich naiv (Raimi ist - bei aller Liebe - kein Romero).

Obwohl ich kein Befürworter von Political Correctness bin, ist mir die penetrante Fremdenfeindlichkeit unangenehm aufgestoßen. Alle Nicht-Amerikaner im Film sind entweder rachsüchtige Höllenwesen, durchgeknallte Geisterbeschwörer oder schleimige Intriganten, inklusive des ausgelutschten Stereotyps der "Zigeunerin mit bösem Blick", die dazu noch als besonders widerlich denunziert wird (Mir gingen die künstlichen Schmatz-Geräusche furchtbar auf die Nerven). Aber zugegeben, die Amerikaner bekomen auch ihr Fett weg. Die teilweise schlechten CGI-Tricks stören oftmals das Vergnügen, und Raimi überbrückt einige Durchhänger mit zu vielen simplen "Buh"-Momenten (alles nur geträumt), die lediglich über laute Soundeffekte erzeugt werden. Das Enttäuschendste aber ist der finale "Twist", der so deutlich angekündigt wird, dass ich gehofft habe, Raimi setzt noch einen drauf, aber nein.

Fazit: Ich freue mich persönlich über jeden Horrorfilm, der kein Remake ist und eine eigene Geschichte erzählt (mit allen Logiklöchern wie der Frage, warum Christine eigentlich tagelang leiden muss, wenn sie am Ende laut Fluch doch zur Hölle fahren soll? Damit sie genug Zeit hat, um ihn loszuwerden??). Raimins absurder Humor rettet den Film, und bei der Aussage, dass alle Bankmanager, die alten Damen die Häuser wegnehmen, zur Hölle fahren sollen, bin ich dabei!

06/10

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