Sonntag, 14. Februar 2010

Dishonored - Entehrt (1931)

Das Agentendrama DISHONORED (der hierzulande "Entehrt" oder auch "X27" hieß) aus dem Jahr 1931 ist der zweite von sechs Filmen, die Marlene Dietrich unter der Regie ihres Entdeckers Josef von Sternberg in Amerika machte. Er war ein finanzieller Reinfall, da zeitgleich Greta Garbo als "Mata Hari" für Furore sorgte und kaum jemand eine ähnliche Geschichte sehen wollte. Dabei ist DISHONORED kein schlechter Film, ganz im Gegenteil.

Schon die erste Einstellung, in der wir von Marlene lediglich die Beine im strömenden Regen sehen und beobachten dürfen, wie sie ihre Strümpfe richtet, bevor auch endlich ihr Gesicht ins Bild rückt, ist grandios.

Hollywoodfilme über weibliche Spione haben im Prinzip alle den gleichen Plot (man vergleiche auch "Krieg im Dunkel", wieder mit Garbo), wahrscheinlich weil man meint, Frauen könnten per se nicht Pflicht und Gefühl auseinanderhalten. Marlene spielt die junge Österreicherin Marie, die zur Spionagetätigkeit gegen die Russen "überredet" wird, sich dann aber unglücklich verliebt und die Konsequenzen ihres Verrats tragen muss.

Doch wegen der Handlung sollte man DISHONORED auch nicht sehen. Josef von Sternberg erschafft einige wirklich außergewöhnliche Sequenzen, etwa einen unvergesslichen Maskenball voller Konfetti und Luftschlangen, auf dem Marie - jetzt Agentin X27 - ihren ersten Auftrag ausführt. Marlene Dietrich spielt die Spionin mit Ernst und dennoch gewohnter Lässigkeit. Der brillanteste Einfall des Films ist die Figur eines hübschen jungen Leutnants, der Marlene zu Beginn durch die Hallen des Geheimdienstes begleitet und den wundervollen Satz "I could walk with you forever" sagt. Eben jener Leutnant begleitet Marlene dann im Finale (ACHTUNG: SPOILER, auch wenn die Szene berühmt ist) vor das Erschießungskommando und weigert sich, den Schießbefehl zu geben. Dieser Moment ist so atemberaubend, herzergreifend und fantastisch, dass man den Film allein dafür lieben kann. Dass Marlene im Auge des Todes noch ihren Lippenstift korrigiert, setzt dem Ganzen dann die Krone auf. Das hat Größe! (Ende SPOILER)

Für mich ist DISHONORED der bessere "Mata Hari", auch wenn ich niemals Garbo und Dietrich vergleichen würde (Frevel!). Beide sind auf ihre Weise einzigartig. DISHONORED ist weit weniger melodramatisch und rein visuell interessanter. Ein Klassiker, der fast vergessen ist.

07/10

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