Mittwoch, 17. Februar 2010

Die zweigeteilte Frau (2007)

Claude Chabrols DIE ZWEIGETEILTE FRAU (La Fille Coupée en Deux) aus dem Jahr 2007 beruht auf einer wahren Geschichte (aus dem New York der Jahrhundertwende, hier ins aktuelle Lyon verlegt) und ist eine wundervoll leicht und überraschend komödiantisch erzählte Dreiecksgeschichte.

Die junge TV-Wetteransagerin Gabrielle (Ludivine Sagnier) verliebt sich in den sehr viel älteren, erfolgreichen und verheirateten Autor Charles (Francois Berléand), der sie zu einigen erotischen Ausschweifungen verführt. Da er sich aber weigert, seine Ehe aufzugeben, wendet sich Gabrielle aus Enttäuschung ihrem zweiten Verehrer Paul (Benoit Magimel) zu, einem verwöhnten Spross aus reichem Hause. Als sie ihm sogar die Ehe verspricht, überschlagen sich die Ereignisse und nehmen eine dramatische Wendung...

Obwohl es in der Geschichte vor Leidenschaften nur so brodelt, geht Chabrol wie üblich eigene Wege, inszeniert immer kühl, kontrolliert und distanziert. Die Charaktere versuchen in jeder Situation den Schein zu wahren und sich nicht in die Seele blicken zu lassen, so muss man auch als Zuschauer gut zusehen, hinhören, aufpassen, um zu verstehen. Chabrol deutet nur an. Sein Film ist dialoglastig, auf der reinen Handlungsebene passiert lange nichts, bis die psychologischen Spannungen und Emotionen im letzten Akt fulminant zu Ende geführt werden ein Markenzeichen des Regisseurs. Die Bourgeoisie bekommt das übliche Fett weg (die wohlhabende Pharma-Familie von Paul ist ein wahres Skurrilitäten-Kabinett), die Freigeister und Künstler überraschend ebenfalls. Ein vornehmer Treffpunkt der politischen und künstlerischen Elite ist nichts weiter als ein Swinger-Club mit edler Tarnung. Chabrol kennt keine Gnade mit menschlichen Schwächen.

"Die Sexualität ist eines der größten Mysterien des Universums", sagt Charles. Aus diesem Mysterium kann niemals großes Glück, aber sehr viel Unglück entstehen. Daneben zeichnet Chabrol ein frustrierendes Bild von der jungen emanzipierten Frau in einer immer noch männlich dominierten Gesellschaft. An Gabrielle zerren nicht nur die Geliebten, sondern auch alle anderen. Von der Schwiegermutter bis zum Fernsehboss, alle verlangen und erwarten etwas von ihr, sie kann sich niemals frei entscheiden. Wenn sie es tut, wie etwa die Agentin von Charles (Mathilda May), dann ist sie für die Gesellschaft eine Schlampe. Immer noch.

Das alles wird von einem hervorragenden Ensemble dargeboten, angeführt von der bezaubernden, hinreißenden Ludivine Sagnier ("Swimming Pool"), die trotz aller Demütigungen nie zum Opfer wird. In einer bemerkenswerten Sequenz wird sie auf der Bühne als Assistentin eines Magiers "zersägt", ihre Zweiteilung bildlich umgesetzt. Aber es ist nur eine Illusion. Gabrielle bleibt komplett, ihre Jugend und ihre Stärke verhindern, dass sie von der Gesellschaft, der Liebe oder Moralvorstellungen auseinander gerissen wird. Benoit Magimel - in seiner dritten Zusammenarbeit mit Chabrol - ist als affektierter, arroganter und lächerlicher Pfau Paul in den vielen neurotischen Details ein wahrer schauspielerischer (und optischer) Leckerbissen.

Mit "Zwei Freundinnen" hat Claude Chabrol 1968 eine dramatische Dreiecksgeschichte mit tödlichem Ausgang erzählt. 40 Jahre später schließt sich ein künstlerischer Kreis. Fans von Chabrol werden DIE ZWEIGETEILTE FRAU lieben. Wer mit seinen letzten Werken "Geheime Staatsaffären" oder "Die Blume des Bösen" schon nichts anfangen konnte, der wird auch diesem Film nicht viel abgewinnen können. Leider.

8.5/10


















Ludivine Sagnier als zweigeteilte Frau

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