Dienstag, 16. Februar 2010

Die Verdammten des Krieges (1989)

Alle, die Regisseur Brian De Palma seit Urzeiten immer wieder vorwerfen, keine eigenen Ideen zu haben und nur sein Vorbild Hitchcock zu kopieren, vergessen regelmäßig, was für ein eigenständiges, großes Werk DIE VERDAMMTEN DES KRIEGES (Casualties of War) ist.
Kein Wunder, denn das Kriegsdrama - De Palmas bis heute persönlichste Arbeit - ist auch seinerzeit vom Publikum völlig ignoriert worden und fast in Vergessenheit geraten.

Dabei handelt es sich hier um eine erschütternde, verstörende Geschichte (nach einer wahren Begebenheit) über den Vietnam-Krieg und was er (wie jeder Krieg) aus Menschen macht, die sich scheinbar außerhalb jeder zivilisatorischen Ordnung befinden. Um den Tod eines Freundes zu rächen und durch den Kriegswahnsinn aufgestachelt, entführt ein amerikanischer GI-Trupp unter Anführung von Sean Penn eine Vietnamesin aus einem Dorf. Sie wird von den Männern mehrfach vergewaltigt, nur einer von ihnen (Michael J. Fox) weigert sich und zeigt die "Kameraden" nach der Ermordung des Mädchens bei seinem Vorgesetzten an. Fortan muss er selbst um sein Leben bangen und einsehen, dass es so etwas wie Gerechtigkeit kaum gibt.

Mag die Besetzung mit Michael J. Fox mit ein Grund für den Misserfolg des Films gewesen sein (zu Zeit der Entstehung stand Fox nicht gerade für anspruchsvolle Dramen), so spielt er seine Figur doch mit Glaubwürdigkeit und Überzeugung. Es ist aber ein teuflisch genialer Sean Penn, der mit einer kompromisslosen Darstellung begeistert, die ihresgleichen sucht. Der Filmscore von Ennio Morricone ist aufwühlend, hochemotional und passt sich dem ebenso sensiblen wie optisch raffinierten Inszenierungsstil De Palmas perfekt an.

DIE VERDAMMTEN DES KRIEGES ist zweifellos ein schwieriger Film. Er ist trotz mehrerer Spannungsmomente deprimierend, hoffnungslos, und die Folter des unschuldigen Mädchens und ihr fortwährendes Leiden sind schwer zu ertragen. Die Kritik reagierte teilweise erbost auf den Film und warf de Plama vor, eine Geschichte auszugraben, die das schlechteste Licht auf amerikanische Soldaten wirft. Ironischerweise musste de Palma sich diesen "Verrats"-Vorwurf erneut gefallen lassen, als er 2007 mit seinem kontroversen Irak-Kriegssdrama "Redacted" für Aufsehen sorgte.

09/10

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