Mittwoch, 17. Februar 2010

Die Unzertrennlichen (1988)

"Dead Ringers" erzählt die Geschichte eines Zwillingspaares (beide gespielt von Jeremy Irons), das in psychisch gestörter, symbiotischer Abhängigkeit voneinander lebt und erfolgreich eine gynäkologische Praxis betreibt. Als die Schauspielerin Claire (Genevieve Bujold) in das Leben der Männer tritt und sich einer der Zwillinge ernsthaft verliebt, hat das katastrophale Auswirkungen auf alle Beteiligten...

"Dead Ringers" ist ein schmerzhafter, schwer zu verdauender Film, der weitestgehend auf Humor verzichtet und den Zuschauer langsam, sehr langsam in den Abgrund zum Wahnsinn stößt. Nach dem großen finanziellen Erfolg von "Die Fliege" erwartete das Publikum einen ähnlich zugänglichen Horror-Schocker, so musste "Dead Ringers" in seiner unspektakulären, klinisch-kalten und sperrigen Art zwangsläufig durchfallen. Aber für Cineasten gibt es unglaublich viel Geschenke.

Jeremy Irons spielt beide Rollen mit präziser Brillanz. Als er kurz später den Oscar für seine Darstellung in "Die Affäre der Sunny von B." (1990) in Empfang nahm, bedankte er sich bei David Cronenberg, der seiner zu diesem Zeitpunkt stagnierenden Karriere wieder Auftrieb gab. Die seinerzeit völlig neuartigen Split-Screen-Techniken, in denen er mit sich selbst agieren kann, sind auch heute noch fehlerfrei. Dass die beiden Zwillinge im Laufe des Films immer schwerer zu unterscheiden sind, wurde vielfach kritisiert, ist aber genau der Punkt des Films. Einige Einfälle (die Operations-Instrumente) sind beängstigend surreal, und selbst wenn man als Zuschauer schnell ahnt, dass die Geschichte wohl keinen guten Ausgang nehmen wird, kann das Finale noch verstören. Cronenbergs Hauskomponist Howard Shore komponierte einen seiner besten Scores für "Dead Ringers" und trifft bis ins Mark.

Leider markierte "Dead Ringers" den Abschied von David Cronenberg aus dem Horror-Genre. Heute mehr auf anspruchsvolle Literatur-Verfilmungen ("Spider", 2002) und kritische Dramen ("A History of Violence", 2005) spezialisiert, hat das Genre einen seiner größten Künstler und Visionäre verloren. In "Dead Ringers" bewegt er sich auf dem Höhepunkt seiner Kunst. Neben dem brillanten "Videodrome" (1983) ist "Dead Ringers" mein absoluter Lieblings-Cronenberg, selbst wenn man ihn wegen seines hohen Depressions-Faktors nicht gerade jeden Tag sehen kann.

10/10

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...