Montag, 15. Februar 2010

Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen (1975)

Mit DIE UNSCHULDIGEN MIT DEN SCHMUTZIGEN HÄNDEN drehte Claude Chabrol 1975 eine weitere Hommage an den amerikanischen Film Noir.
Die Story: Die verheiratete Julie (Romy Schneider) hat ein leidenschaftliches Verhältnis mit einem jungen Geliebten (Paolo Giusti). Gemeinsam planen sie, den alkoholkranken Ehemann (Rod Steiger) umzubringen. Der Plan scheint zu gelingen, doch plötzlich ist alles Geld verschwunden, und der tote Gatte scheint noch am Leben zu sein...

Romy Schneider selbst hat einmal gesagt, dass die Zusammenarbeit mit Chabrol für sie unbefriedigend war, obwohl doch beide auf den ersten Blick wie geschaffen füreinander sind - der Meister des subtilen schwarzen Thrillers und die geheimnisvolle, schöne Femme Fatale. Doch fehlte ihr die Führung eines sensiblen Schauspieler-Regisseurs wie Claude Sautet oder Visconti. Dies ist dem Film eigentlich kaum anzumerken, tatsächlich wirkt Romy Schneider hier sehr sicher, reif und darüber hinaus unglaublich schön. Mann kann sich nie an ihr satt sehen. Mit kühler Erotik und undurchschaubarer Präsenz veredelt sie den Psycho-Thriller, der zwar deutliche Längen (insbesondere im letzten Drittel) aufweist, aber wegen der überraschenden Wendungen und guten Darsteller heute noch sehenswert ist.

Den Charakteren fehlt es leider an Tiefe, die heiße Anziehungskraft von Julie und ihrem Liebhaber bleibt behauptet und wird nie glaubwürdig entwickelt. Tatsächlich ist Paolo Giusti lediglich attraktives Kanonenfutter und weist keinen einzigen interessanten Charakterzug auf. In einer Nebenrolle spielt Jean Rochefort den Anwalt von Romy Schneider, und er liefert die beste Darstellung des Films. Die lange Sequenz, in der er mit dem Untersuchungsrichter über den Fall debattiert, während Romy Schneider stumm zusieht, ist der überraschende Höhepunkt des Films. Obwohl praktisch nur geredet wird, ist die Szene einzigartig fesselnd und zeigt Chabrols Meisterschaft im Umgang mit Dialog und Schauspielern.

DIE UNSCHULDIGEN MIT DEN SCHMUTIGEN HÄNDEN ist trotz seines Settings (eine einsame Villa in St. Tropez) ein kalter und distanzierter Film. Romy Schneider ist und bleibt aber eine faszinierende Persönlichkeit, und allein ihrer Stimme zu lauschen hat mehr Unterhaltungswert als komplette andere Filme zu bieten haben. Chabrols Lockerheit im Umgang mit bürgerlichen Moralvorstellungen ist zudem jeder US-Produktion meilenweit voraus.

08/10

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