Montag, 15. Februar 2010

Die Teuflischen (1955)

DIE TEUFLISCHEN (Les Diaboliques) von Henri-Georges Clouzot aus dem Jahr 1955 gehört zu den großen Klassikern des Psycho-Thrillers mit Ausflügen ins Horror-Genre und ist - schlicht gesagt - einer der spannendsten und schockierendsten Filme aller Zeiten.

Hatte Hitchcock mit seinem "Psycho" der Welt seinerzeit jeden Spaß am Duschen genommen, gelang Clouzot bereits Jahre zuvor Ähnliches mit Badewannen. Tatsächlich hatte sich Hitchcock um die Rechte an der Romanvorlage bemüht und wurde nur knapp von Clouzot geschlagen. Die Romanautoren Boileau/Narcejac, die ihren Stoff auch gern von Hitchcock verfilmt gesehen hätten, schrieben daraufhin speziell für ihn den Roman "D'Entre les Morts", der dann von Hitchcock als "Vertigo" verfilmt wurde. So haben alle gewonnen, ganz besonders die Zuschauer.

DIE TEUFLISCHEN kann auch heute noch überraschen und an den Nerven zerren. Die Story: eine schüchterne junge Lehrerin an einer Privatschule will gemeinsam mit einer Freundin den fremdgehenden Ehemann ums Leben bringen. Der Plan scheint zunächst aufzugehen, doch plötzlich häufen sich merkwürdige Ereignisse. Jemand treibt ein mörderisches Katz- und Mausspiel mit den Damen, aber wer...?

Sensationell sind die Darstellerleistungen, insbesondere die von Clouzot-Ehefrau Vera, die als zur Hysterie neigende Mörderin brilliert. An ihrer Seite spielt die großartige Simone Signoret als schlampige Ehebrecherin alle an die Wand. Clouzot inszeniert sehr langsam und bedächtig, um den Zuschauer mit der überraschenden Wendung im Finale (die auf keinen Fall weiter erzählt werden sollte, worum sogar der Film selbst im Abspann bittet) umso wirkungsvoller eiskalt zu erwischen. Das gelingt bravourös. DIE TEUFLISCHEN war seinerzeit ein Riesen-Erfolg und hat unzählige Nachahmer beeinflusst, ebenso wie später der bereits erwähnte "Psycho". Für Freunde des gepflegten Nervenkitzels absolut zu empfehlen. Zuschauer mit zarten Nerven sollten vor dem Finale lieber ein Beruhigungsmittel einnehmen. Im Jahr 1996 entstand ein völlig überflüssiges amerikanisches Remake ("Diabolique") mit Sharon Stone und Isabelle Adjani, das dem Original nicht das Badewasser reichen kann und höchstens wegen Stones extravaganter Kostüme ansehbar ist.

10/10

Kommentare:

  1. Hallo Ralf,

    sehr interessanter Kommentar, ich find's gut, wen man mal eine ganz unterschiedliche Meinung hört, zumal ja "Die Teuflischen" fast unantastbar dasteht.
    Ich würde an mehreren Punkten widersprechen, aber in einigen Punkten gebe ich Dir recht. Die Unlogik der Geschichte ist unverkennbar, aber sie stört mich nicht. Bei intriganten Mordplänen im Film wird doch immer mit der Verabredung gespielt, dass auch alles hätte schief gehen können. Ich habe gerade (wieder mal) den sehr amüsanten "Das Böse unter der Sonne" gesehen, und auch bei Agathe Christie hätte der raffinerte Mordplan an so vielen Stellen scheitern können, dass man keine zwei Sekunden darüber nachdenken darf. Und als Zuschauer lasse ich mich gern verarschen, wenn ich gut verarscht werde - um es mal so auszudrücken. :-)
    Eines meiner Lieblingsbeispiele ist die absurde Handlung von Hitchcocks "Eine Dame verschwindet", wo zufällig sämtliche Mitreisenden Gründe haben, die Existenz der Dame zu leugnen, und diese als Spionin einen Geheimcode als Kindermelodie getarnt über die Grenze schmuggeln soll. Das ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten, aber der Film ist trotzdem fantastisch und gehört zu meinen absoluten Lieblingen.

    Ich akzeptiere auch die dünnen Charakerisierungen in den "Teuflischen" (wie Du auch richtig geschrieben hast), weil eine stärkere, im Leben stehende Vera Clouzot natürlich nicht so leicht um die Ecke zu bringen wäre wie ein scheues Rehlein, und Simone Signoret ist durchweg so emotionslos, weil sie die arme Vera loswerden und sie mit ihrer dominanten Art demütigen will. Im Remake besteht übrigens die innige Verbindung zwischen Stone und Adjani (mit erotischen Untertönen), aber die macht am Ende keinen Sinn mehr, wen sich die Handlung dreht und die wahren Täter entlarvt werden.

    Ich finde Hitchcocks "Psycho" auch besser (da bin ich wieder bei Dir), weil er kraftvoller und auch schwarzhumoriger ist, aber für einen Psycho-Thriller der 50er finde ich "Die Teuflischen" ganz wunderbar. Letztlich natürlich aber Geschmackssache, ich kann Deine Kritik schon in den meisten Punkten nachvollziehen. Bei anderen Filmen wäre ich ähnlich streng, aber was soll ich machen, ich mag ihn halt...

    Vielleicht sollten wir mal eine Liste von Filmen erstellen, die allgemein als großartig gelten, uns aber nicht überzeugt haben...? Könnte interessant werden. :-))

    Kein Grund für Sorry! Gruß von Mathias

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  2. Hallo Ralf,

    ganz Deiner Meinung!!

    Da habe ich doch "Augen ohne Gesicht" geradezu vergessen, wie konnte das passieren?? Ist bereits nachgeholt!

    Schönes Wochenende und beste Grüße von Mathias

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