Dienstag, 16. Februar 2010

Die Stunde des Wolfs (1968)

Ohne jetzt in eine detaillierte Inhaltsangabe oder tiefenpsychologische Analyse zu verfallen, möchte ich sagen, dass "Die Stunde des Wolfs" (Vagtimmen) zu Ingmar Bergmans besten und faszinierendsten Filmen zählt.
Er ist auch - wenn man so will - Bergmans einziger "echter" Horrorfilm und kann den unvorbereiteten Zuschauer durch die suggestive Kraft seiner Bilder verwirren und verstören.

Die Geschichte in groben Zügen: das entfremdete Ehepaar Alma und Johan fährt wie jedes Jahr ins Sommerhaus auf eine Insel. In der spröden Landschaft begegnen ihnen bald unbekannte Menschen, die sie zum Dinner auf das Schloss des Barons Merkens einladen, wo sie in einen Strudel surrealer Ereignisse geraten...

Spätestens hier muss jede Inhaltsangabe enden, da der reine Handlungsablauf keinerlei Bedeutung für den Film hat. Es sind die Gesten, die Blicke, die Worte und die Visionen der Protagonisten, die den Film ergeben. "Die Stunde des Wolfs" ist vielleicht der schwärzeste Abstieg in die menschliche Hölle, der je auf Zelluloid gebannt wurde. Der Surrealismus ist eine Kunstform, die nicht leicht im Film einzufangen ist. Daran sind schon große Regisseure gescheitert, amerikanische Regisseure finden gleich gar keinen Zugang. Ingmar Bergman gelingt das Kunststück bewundernswert.

Liv Ullmann und Max von Sydow, die zum Stamm-Ensemble Bergmans gehören, spielen ihre Rollen intensiv und tragen den Film mühelos. "Die Stunde des Wolfs" ist wie alle großen Kunstwerke vieldeutig, verschlüsselt und seine Wirkung jeweils abhängig vom emotionalen Zustand des Zuschauers. Von allen Bergman-Filmen ist dieser einer meiner liebsten. Seine Kraft geht weit über das filmische Erleben hinaus, er ist zeitlos packend, erschreckend und großartig.

09/10

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