Dienstag, 16. Februar 2010

Die Klavierspielerin (2001)

Wie beinahe alle Filme von Michael Haneke ist "Die Klavierspielerin" schwer zu mögen, aber leicht zu bewundern - für die Auslotung der Grenzen des Zeigbaren, für die intensiven Darstellerleistungen, für die menschlichen Abgründe seiner Protagonisten (wobei einige Elemente der Romanvorlage, die sich auf die Motivation des männlichen Helden beziehen, außer acht gelassen wurden). Nach Ansehen der "Klavierspielerin" fühlt man sich zwar nicht gerade gut, aber er geht einem auch lange nicht mehr aus dem Kopf und ist deswegen befriedigender als so viele andere Filme, die sich des Themas einer sadomasochistischen Beziehung annehmen und nur auf sensationsheischenden Exhibitionismus setzen. Das liegt natürlich besonders an Isabelle Huppert, die immer wieder überrascht und hier wirklich über alle Grenzen geht, ohne jede Verklemmtheit und Scheu. Es kommt wirklich nicht jeden Tag vor, dass man einem internationalen Star von Hupperst Rang dabei zusehen kann, wie er heimlich einem Liebespaar zuschaut und dabei auf den Fußboden uriniert - oder in der Peepshow-Kabine an gebrauchten Zewas schnuppert. Man muss es nicht mögen, aber man muss den Hut ziehen vor so viel Mut und schauspielerischer Hingabe. Jungstar Benoit Magimel verblasst ein wenig neben Hupperts Kraft, doch bekommt auch er vom Film genügend Momente, in denen der Zuschauer mehr über seinen Charakter erfährt als auf den ersten Blick erkennbar ist.
Und noch ein Wort zur allgemein oft gescholtenen deutschen Synchonisation: Corinna Harfouch, die der großartigen Isabelle Huppert ihre Stimme leiht, taucht wirklich in die Figur ein und ist ein schlicht ein Genuss.

Für mich Hanekes bester Film, auch weil er diesmal so gar nicht oberlehrerhaft daherkommt und sich einfach auf die Charaktere konzentriert.

9.5/10

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