Dienstag, 16. Februar 2010

Die Kameliendame (1936)


Zitat: "Vielleicht ist es besser, wenn ich in deinem Herzen lebe, wo die Welt mich nicht sehen kann..."
"Die Kameliendame" zeigt die göttliche Greta Garbo in einer ihrer unvergesslichsten und berühmtesten Rollen. Von George Cukor elegant inszeniert, schwelgt das Melodram in üppigen Dekors, Kostümen und Emotionen. Greta Garbo als verführerische Kurtisane überstrahlt natürlich alles, auch ihren Co-Star Robert Taylor, der zwar unglaublich gut aussieht, aber schauspielerisch neben ihr verblasst. Die Kamera (geführt von Garbos Lieblings-Kameramann William Daniels) liebt Garbos Gesicht. Als Marguerite Gautier schreitet sie mit Stolz und Würde durch die Geschichte. Jeder Anflug von Kitsch wird durch ihr differenziertes Spiel mühelos umgangen. Garbo war eine Meisterin des Understatements, das macht ihre Filme heute noch so anziehend. Waren Hollywoods Frauenrollen in den 20ern und 30ern oft eindimensional (das böse Vamp, die kesse Sekretärin, die brave Ehefrau), gelingt es Garbo immer wieder, ihre Charaktere komplex zu zeichnen. Ihre Kurtisane Marguerite ist verführerisch, sinnlich, selbstbewusst, gleichzeitig auch grausam, gefangen und dazu zerbrechlich. Man mag kaum glauben, dass Garbo ein Wesen aus Fleisch und Blut ist. Sie ist die reine Kino-Magie.
Viel interessanter als ihre Beziehung zum jungen Robert Taylor ist das Spiel zwischen Garbo und Henry Daniell, der sie als Baron de Varville in der Hand hat. In ihrem eindrucksvollsten Moment kommt er überraschend zu Besuch, obwohl Garbo Taylor erwartet, der nun vor verschlossener steht. Hier begegnen sich zwei meisterhafte Schauspieler auf Augenhöhe. Mit der Vorlage von Alexandre Dumas hat der Film nicht mehr viel gemein - er ist ganz und gar Garbos Film. Für Fans des alten Hollywood und verschwenderischer Kostümfilme ist "Die Kameliendame" auch heute noch ein einziger Genuss.

09/10

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