Sonntag, 14. Februar 2010

Die Herrin von Thornhill (1967)

DIE HERRIN VON THORNHILL aus dem Jahr 1967 erzählt von einer jungen Frau (Julie Christie) im viktorianischen England, die das Gut eines Onkels erbt, und um deren Gunst drei Männer buhlen - ein sympathischer Schafzüchter (sehr männlich: Alan Bates), ein verliebter Gutsbesitzer (aristokratisch: Peter Finch) und ein draufgängerischer Offizier (intensiv: Terence Stamp).

Zunächst muss man sagen, dass DIE HERRIN VON THORNHILL durch die erlesene Auswahl der Beteiligten besticht. Regie führte der vielfach preisgekrönte John Schlesinger, die wirklich großartigen Bilder stammen von Kameramann (und späterem Regisseur) Nicholas Roeg, der insbesondere die atemberaubend weite Landschaft von Wessex genial und stimmungsvoll einfängt. Komponist Richard Rodney Bennett hat einen meisterhaften Score komponiert, und der Film wartet mit einem wahrhaft großartigen Ensemble auf. Finch, Stamp und Bates gehören zu den besten britischen Schauspielern und agieren auf höchstem Niveau.

Die junge Julie Christie ist die perfekte Verkörperung von Schönheit, Stärke und Verletzbarkeit. John Schlesinger interessiert sich weniger für den sozialen Hintergrund der Landbevölkerung und die Klassenunterschiede der Figuren, dafür entwickelt er psychologisch stimmig sein Beziehungsgeflecht und stattet die Charaktere und Konflikte mit ausreichend Tiefgang aus. Die Romanvorlage stammt von Thomas Hardy, zu dessen weiteren Werken auch TESS gehört. Roman Polanskis Filmversion von TESS weist durchaus Ähnlichkeiten mit der HERRIN VON THORNHILL auf, ist aber weitaus schärfer und düsterer.

DIE HERRIN VON THORNHILL ist ein Film, den man leicht wegen seiner Schauwerte bewundern kann, der aber auch selten wirklich berührt (was auch an Schlesingers kühler Regie liegt). Bei seinen 157 Minuten hat der Film durchaus seine Längen, bietet aber auch einige wirklich grandiose Sequenzen, so zum Beispiel gleich zu Beginn, wenn in einer Sturmnacht eine Schafherde aus ihrem Verschlag ausbricht und vom Hund des Schafhirten Alan Bates über die Steilklippen gehetzt wird, wo sie in den Tod stürzt. Als Bates das Unglück bemerkt, kann er nicht anders als seinen Hund zu erschießen. Eine starke Sequenz, die der Film in der Intensität nur selten wieder erreicht. Laut Internet ist die ursprüngliche Fassung des Films übrigens 170 Minuten lang.

07/10

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