Mittwoch, 17. Februar 2010

Die Hand an der Wiege (1992)

Curtis Hanson ("L.A. Confidential") landete 1992 mit seinem Psycho-Thriller DIE HAND AN DER WIEGE (The Hand that Rocks the Cradle) den Überraschungshit des Kino-Sommers. Die Rückkehr zu konservativen Werten und der Bewahrung des häuslichen Friedens war Gegenstand zahlreicher Thriller zu Beginn der 90er, und DIE HAND AN DER WIEGE ist ein Musterbeispiel. Er ist so effektiv und handwerklich gut gemacht, dass man kaum bemerkt, wie im Grunde völlig unglaubwürdig die Geschichte eigentlich ist.

Das Unglück bricht über die Bartels (Annabella Sciorra und Matt McCoy) in Form der schönen Peyton (Rebecca De Mornay) herein, die sich als harmloses Kindermädchen einschleicht, dabei aber einen perfiden Plan verfolgt. Sie will die Familie um jeden Preis zerstören, weil sie Mrs. Bartel die Schuld am Tod ihres Mannes und ungeborenen Kindes gibt. Zunächst sät sie Zwietracht und Misstrauen, dann werden ihre Taten mörderischer...

In erster Linie gehört der Film Rebecca De Mornay, die ihre eiskalte Psychopathin hinter der freundlichen Fassade kaum zügeln kann und eine schauspielerische Tour de Force abliefert. Dass sie selbst zu Beginn als bemitleidenswertes Opfer eingeführt wird, macht die Sache kompliziert, denn wie in Hitchcocks besten Werken muss man als Zuschauer seine Sympathien neu verteilen. Hat man zunächst noch bösen Spaß daran, wie sie Unruhe in die Vorzeige-Familie bringt, wechselt man doch bald die Seiten, weil sie alle Grenzen überschreitet und zudem Annabella Sciorra so reizend ist, dass man ihr kein Unglück gönnt. Curtis Hanson bezieht viel Spannung und Unbehagen aus der Tatsache, wie leicht eine stabile Beziehung Risse bekommt, wenn man die richtigen Knöpfe drückt (De Mornay weckt Sciorras Eifersucht und entfremdet sie von ihrem Baby). Die Frage, wann die Bartels endlich dahinterkommen, welches Spiel ihr Kindermädchen wirklich spielt, hält den Film in Dauerspannung, die fast unerträglich wird.

ABER es gibt eine Menge Negatives. Der von Ernie Hudson erschreckend plump dargestellte, geistig behinderte Handwerker (er ist für die meisten "Lacher" zuständig, die alle auf seine Kosten gehen) ist ein fürchterliches Klischee, und der Film wird mehr als geschmacklos, wenn De Mornay ihm - um ihn loszuwerden - ein Höschen der minderjährigen Tochter des Hauses unterjubelt (auch wenn man sagen kann, dass der Film hier bewusst mit Political Correctness spielt, denn das liebe Ehepaar feuert den traurigen Hudson ohne mit der Wimper zu zucken).

Dazu gesellen sich Logik-Fragen ohne Ende: wer stellt ein Kindermädchen ohne Referenzen ein? Warum wird der (völlig unrealistische) Todesfall durch herabstürzendes Glas eines Gewächshauses nicht weiter untersucht? Weitere Schwächen sind Sciorras typisches Film-Asthma, das immer dann einsetzt, wenn es für die Handlung wichtig ist, sowie ein übertriebenes Finale mit einigen echten Dialogbrüllern ("Ich nehme nur mein Baby...ich meine, meine Sachen und gehe").
Insgesamt bleibt ein zwiespältiger Eindruck. Ich habe den Film beim ersten Sehen sehr genossen, aber bereits beim zweiten Mal fielen die Ungereimtheiten doch eher störend auf.

06/10

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