Montag, 15. Februar 2010

Die Frauen von Stepford (1975)

DIE FRAUEN VON STEPFORD ist ein Kult-Klassiker aus dem Jahr 1975, eine Mischung aus Horror, schwarzer Komödie/Satire und Science Fiction. Er ist außerdem ein glänzender Paranoia-Thriller und hat unter der unterhaltsamen Oberfläche kritische Subtexte zu bieten.

Die Story: die junge Joanna (Katharina Ross) zieht mit Mann und Kindern ins hübsche kleine Stepford, wo sich alle Frauen sehr merkwürdig benehmen. Sie reden nur über Hausarbeit, beten ihre Männer an und widersprechen nie. Joanna kommt einem furchtbaren Geheimnis auf die Spur und muss um ihr Leben, ihre Freiheit und ihre Identität kämpfen...

Regisseur Bryan Forbes lässt sich sehr viel Zeit, um die schrecklichen Ereignisse in Gang zu setzen, aber es ist genau diese Art von subtiler Bedrohung - die sich in kleinsten Details ankündigt - die ihn so beunruhigend macht. Joanna ist unsere Identifikationsfigur, und so wie sie kommen wir nach und nach hinter das Geheimnis von Stepford. Katharine Ross spielt die Joanna großartig als starke, unabhängige Frau, deren Eigenständigkeit nach und nach unterminiert wird.

Der Mix aus Spannung und Humor funktioniert heute noch hervorragend. Einige Szenen sind so bitter, dass einem das Lachen im Halse steckenbleibt, etwa wenn Katharina Ross eine Frauengruppe ins Leben ruft, in der die Stepford-Damen über ihr Leben, ihre Sorgen sprechen sollen, sich aber nur über Rezepte und Waschmittel unterhalten. Andere Sequenzen sind reinster Terror - zum Beispiel als Ross erkennen muss, dass ihre beste Freundin (Paula Prentiss in einer umwerfenden Darstellung) sich in eine der Stepford-Frauen verwandelt hat - und dann auch noch an einer "Fehlfunktion" leidet! Die Paranoia von Ross wird ausgezeichnet eingefangen und verweist stellenweise auf "Rosemary's Baby".

Doch DIE FRAUEN VON STEPFORD hat auch Ideen unter der Oberfläche und wirft kritische Fragen auf: soll man sich der gesellschaftlichen Mehrheit unterwerfen oder verweigern? Was hat die Verweigerung für Konsequenzen? Wie ist die Frau in der modernen Gesellschaft positioniert, bzw. wo soll sie sich positionieren? Beraubt uns der technische Fortschritt unserer Identität? Dass der Film diese Fragen in einem Sci-Fi-Gewand beantwortet, macht sie dabei nicht weniger aktuell. Das Ende ist gleichermaßen erschreckend, ernüchternd und grotesk.

DIE FRAUEN VON STEPFORD ist spannende Unterhaltung mit satirischem Anspruch, ein Kult-Klassiker, der auf jeden Fall dem grauenvollen Remake von 2005 vorzuziehen ist, welches aus der kritischen Geschichte eine alberne Blödel-Farce macht.

10/10

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