Samstag, 13. Februar 2010

Die Frau mit den roten Stiefeln (1972)

Juan Luis Bunuel, Sohn des spanisch/mexikanischen Filmkünstlers Luis Bunuel, inszenierte seine FRAU MIT DEN ROTEN STIEFELN 1974 ganz im Stil des berühmten Vaters und nutzt dafür grandiose Schauspieler aus dessen Werken, doch kann sein Film weder mit denen des Vorbilds konkurrieren, noch besonders als eigenständiges Werk überzeugen.

Die Geschichte (soweit vorhanden): Kunstsammler und Millionär Fernando Rey lädt die reizende junge Autorin Catherine Deneuve nach einer Begegnung spontan in sein Landhaus ein, wo sie ihre Biografie schreiben soll. Ihr Liebhaber und ihr Lektor kommen ebenfalls dazu, doch sind sie alle nur Teil eines hinterhältigen Plans, den sich Fernando Rey ausgedacht hat, um alle Beteiligten gegeneinander auszuspielen und seine Verachtung gegenüber der Kunst zum Ausdruck zu bringen.

Leider will sich Bunuel nie so recht entschließen, was sein Film eigentlich sein will. Natürlich sind auch die Werke des Vaters nicht leicht zu erschließen, aber DIE FRAU MIT DEN ROTEN STIEFELN wirkt eher wirr als mit sicherer Hand inszeniert. Es finden sich Elemente von Thriller, Drama, Komödie, Fantasy und Groteske, Deneuve besitzt plötzlich übernatürliche Kräfte, Symbolik wechselt mit Surrealismus, trotz Mord und Intrigen kommt der Film nur schleppend voran.
An den Darstellern liegt es nicht. Sowohl Fernando Rey als auch die umwerfende Deneuve in einer etwas ungewöhnlichen Rolle als eigenwillige Schriftstellerin, spielen wunderbar und machen den Reiz des Films aus. Als irdischer Freigeist lutscht Deneuve rohe Eier aus und präsentiert sich dem überraschten Rey bei der ersten Begegnung splitternackt unter ihrem Mantel ("Ich zeige Ihnen etwas Schönes, wenn Sie mir 100 Francs geben"). Die vielen kleinen, surrealen Ausflüge, etwa eine Rückblende, in der Deneuve selbst neben ihrem kindlichen Alter Ego auftaucht, erinnern immer wieder an den Vater Bunuel, können insgesamt aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass DIE FRAU MIT DEN ROTEN STIEFELN nicht sonderlich viel zu erzählen hat und mehr als einmal langweilt. Alles in allem sehenswert wegen der Bunuel-Assoziationen und der Besetzung, darüber hinaus aber zu vernachlässigen.

06/10

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