Mittwoch, 17. Februar 2010

Die Farbe des Geldes (1986)

Martin Scorseses DIE FARBE DES GELDES aus dem Jahr 1986 ist eine Quasi-Fortsetzung des brillanten Paul Newman-Klassikers "Haie der Großstadt" von 1961. Hier wie dort verkörpert Newman den Billardprofi Eddie Felson, in Scorseses Film hat er den Queue bereits an den Nagel gehängt und verhökert Schnaps an billige Bars. Als er dem jungen Vincent (Tom Cruise) und dessen Freundin Carmen (Mary Elizabeth Mastrantonio) begegnet, bietet er sich als Mentor an, um dem jungen Billardgenie alle Tricks beizubringen und gemeinsam abzukassieren. Doch dann reizt es ihn, selbst wieder einzusteigen, und aus der Vater/Sohn- bzw. Schüler/Lehrer-Konstellation wird Rivalität...

Vorzüglich wird von Scorsese das Billardhallen-Milieu in Szene gesetzt, man kann förmlich den Zigarettenqualm und den billigen Fusel riechen, so stark ist die Atmosphäre. In erster Linie ist das Drama aber auf Paul Newman zugeschnitten. Der Oscar, den er für DIE FARBE DES GELDES erhielt, ist natürlich mehr als verdient, auch wenn er hier eine weit weniger komplexe Darstellung zeigt als kurz zuvor in Sidney Lumets "The Verdict", für den die Auszeichnung eher angemessen wäre, aber sei es drum. Scorsese nutzt die jugendliche Energie und Eitelkeit von Tom Cruise für eine wirklich bravouröse Vorstellung, Cruise spielt den dummen, geldgeilen und triebgesteuerten Vincent ebenso überzeugend wie Newman den desillusionierten Eddie und kann neben ihm bestehen, was viele nicht für möglich hielten. Durch Cruises ungeheure Popularität zur Zeit seiner Aufführung (Cruise hatte gerade mit "Top Gun" einen der erfolgreichsten Blockbuster der letzten Jahre abgeliefert) wurde DIE FARBE DES GELDES wohl für alle überraschend zu einem Kassenhit. Oft übersehen neben Cruise und Newman wird die hervorragende Mary E. Mastrantonio, die mit einer sehr undankbaren Rolle gestraft ist (Ihre Carmen bewegt sich irgendwo zwischen Luder und Sympathieträgerin, es wird aber nie klar, ob sie überhaupt ehrliche Gefühle für irgend jemanden empfindet), die sie aber mit intelligentem Sex-Appeal und konstantem Misstrauen gegenüber allem und jedem füllt.

Die Kamera führt Michael Ballhaus erwartungsgemäß wuchtig, und Scorsese nutzt viele Tricks, um die Billardszenen so dynamisch wie möglich zu inszenieren, was ihm die meiste Zeit auch gelingt. Das Drehbuch hingegen weist einige Längen auf und bleibt merkwürdig höhepunktslos, gelegentlich plätschert der Film sogar dahin, was für einen Scorsese erstaunlich ist. Wer mit dem Milieu nichts anfangen kann, wird eher Schwierigkeiten mit dem handlungsarmen Drama haben, zumal er auch als Charakterstudie etwas oberflächlich wirkt (die Charaktere verkörpern streng genommen bekannte Muster und Archetypen). Die Schauspieler halten durch ihr gutes Spiel bei der Stange, aber alles in allem hat Scorsese deutlich bessere und packendere Filme geschaffen. Sehenswert ist ein Scorsese aber immer, das muss man ganz klar dazu sagen.

07/10

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