Mittwoch, 17. Februar 2010

Die Brautjungfer (2004)

Mit "Die Brautjungfer" bleibt sich Regisseur Claude Chabrol treu, die tödlichen Abgründe hinter der Fassade der kleinbürgerlichen Familie zu ergründen, und was die Figurenzeichnung angeht, kann ihm immer noch keiner das Wasser reichen. Die Story: bei einer Hochzeit verliebt sich ein gutaussehender Familienspross (Shooting-Star Benoit Magimel, "Die Klavierspielerin") in die Brautjungfer, die ihn schon bald heftig vereinnahmt und merkwürdige Spiele spielt. Handelt es sich bei der gestörten Frau um eine Mörderin?

"Die Brautjungfer" ist so weit vom Hollywood-Thriller entfernt, wie es nur geht. Chabrol lässt sich viel Zeit, die Figuren dem Zuschauer näher zu bringen (die Hochzeit findet gar erst nach ca. 30 Minuten statt) und möglichst wenig Erklärungen zu liefern. Wie die Charaktere wirklich ticken, erfahren wir erst nach und nach - bei einigen erst, wenn es zu spät ist. Das mag für einige Zuschauer behäbig und langweilig wirken, für andere ist dies die beste Möglichkeit, Spannung zu erzeugen, und zwar eine Spannung, die nicht an der Oberfläche bleibt. Mit Benoit Magimel hat Chabrol einen wunderbaren Darsteller gefunden, der gleichzeitig realistisch, sexy und trotzdem unergründlich bleibt. Die beiden haben in Chabrols folgendem Film "Die Blume des Bösen" erneut zusammen gearbeitet, wo Magimel einen völlig anderen Charakter verkörpert.

Einziges Manko an der "Brautjungfer" ist das Ende, das keinen Abschluss der Geschichte, sondern lediglich einen willkürlichen Schlusspunkt darstellt. Chabrol bleibt hier so undramatisch wie er kann. Das ist zwar konsequent, aber dennoch enttäuschend, denn man wartet als Zuschauer schon auf eine Art von Showdown. Trotz aller Pluspunkte bleibt der Film so hinter Chabrols besten Arbeiten wie "Der Schlachter" oder "Blutsverwandte" zurück.
Fazit: "Die Brautjungfer" ist vor allem für Liebhaber französischer Filme empfehlenswert, und für Freunde der gepflegten Thriller, die ohne Serienkiller und Profiler auskommen, dafür aber ausgezeichnete Schauspieler und interessante Figuren bieten.

Zur DVD: leider sind die deutschen Untertitel der französischen Version nicht abschaltbar. Da wollte wohl jemand wieder Geld für Lizenzen sparen, schade! Die Extras sind nicht weiter aufregend, dafür liegt der deutsche Ton sehr sauber in DTS vor, sehr lobenswert.

07/10

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