Samstag, 13. Februar 2010

Die Braut trug Schwarz (1968)

Die Glocken läuten, das frisch vermählte Paar verlässt glücklich die Kirche. Ein Schuss fällt, es ist ein Unfall, aber der Bräutigam stirbt in den Armen seiner Braut Julie (Jeanne Moreau), die fortan nur noch ein Ziel kennt - Rache an den Männern, die ihre große Liebe auf dem Gewissen haben!

Francois Truffauts DIE BRAUT TRUG SCHWARZ aus dem Jahr 1968 ist eine Hommage an das große Vorbild Alfred Hitchcock, eine rabenschwarze Geschichte um einen Racheengel und seine Bestimmung. Eiskalt und gnadenlos sucht sie die Verantwortlichen, schleicht sich in ihr Leben ein und richtet sie. Sie trägt nur Schwarz und Weiß, sie erscheint ihren Opfern als Verführerin, Traumfrau und künstlerische Vision. Mit den männlichen Opfern zeichnet Truffaut ein bedrückendes Bild der französischen Gesellschaft (und verlässt hier den Hitchcock-Pfad, der sich für derlei soziale Betrachtungen nie wirklich interessiert hat). Der schmierige Politiker Michel Lonsdale verlangt Höchstleistungen von seinem kleinen Jungen und kann selbst nicht mal eine Tütensuppe zubereiten, für ihn gehören Frauen in die Küche (allein dafür verdient er, was er bekommt). Michel Bouquet spielt den erbärmlichen Träumer, dem Moreau wie ein Engel vorkommt, nicht ahnend, dass sie sein Todesengel ist. Aufreißer Claude Rich läuft über einen Teppich aus Gummibrüsten und flirtet noch während seiner Verlobung mit der unbekannten Moreau, Künstler Charles Denner (Truffauts "Der Mann, der die Frauen liebte") malt sie als Jagdgöttin. Keiner dieser Männer hat eine reale Vorstellung von Frauen, sie sind Gespielinnen, abstrakte Objekte, Putzhilfen. So ahnt auch niemand die Gefahr, die von Julie ausgeht.

Jeanne Moreau gehört dieser Film, sie ist schlicht fantastisch. Niemals verlangt Truffaut Mitleid oder Verständnis für sie, man muss sie sogar ablehnen, doch man kann nicht anders als ihr gebannt zuzuschauen. Wenn sie einen offensichtlichen Fehler macht, dann verfolgt sie damit schon einen weiteren Plan. Selten hat es im Kino eine so ambivalente, gnadenlose Frauenfigur gegeben. Die Durchführung ihres Plans bleibt konsequent bis zu einem Ende, das an Bösartigkeit nicht zu übertreffen ist. Hitchcock hätte seine Freude gehabt. Sein Lieblingskomponist Bernard Herrmann liefert die aufgewühlte Musik zu den ganz und gar unaufgewühlten und kalkulierten Taten der Julie.

DIE BRAUT TRUG SCHWARZ ist und bleibt mein persönlicher Lieblings-Truffaut. Makaber, faszinierend, gleichzeitig pures Kino und scharfe, ironische Gesellschafts- und Geschlechteranalyse. Ein Meisterwerk.

10/10

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