Mittwoch, 17. Februar 2010

Die Autos, die Paris auffraßen (1974)

Bevor Regisseur Peter Weir mit "Picknick am Valentinstag" seinen internationalen Durchbruch schaffte, inszenierte er 1974 diese surreale und grimmige Satire, eine Mischung aus Trash, Horror und Gesellschaftskritik, die nicht durchgängig funktioniert, aber vor eigenständigen Ideen nur so strotzt.

Im australischen Kaff Paris (nein, der Film spielt nicht in Frankreich) verursachen die Einwohner absichtlich Autounfälle, welche Durchreisende das Leben kostet. Mit den Leichen werden seltsame Experimente durchgeführt, der Schrott wird gewinnbringend verkauft. Die Crashs locken aber auch jede Menge Freaks mit bizarr gestalteten Autos auf die Landstraßen, und bald schon müssen sich die Dörfler gegen die Monsterwagen zur Wehr setzen...

Nicht gerade ein alltäglicher Plot, und tatsächlich ist DIE AUTOS, DIE PARIS AUFFRASSEN mit keinem anderen Film vergleichbar. Man braucht lange, um zu verstehen, was da in Paris wirklich vor sich geht, Peter Weir inszeniert seine Geschichte äußerst fragmentarisch und verschlüsselt. Als Hauptfigur bietet er den Überlebenden eines Unfalls an, der nun im Kaff festsitzt, als Protagonist bleibt er aber durchgängig passiver Zuschauer des mörderischen Treibens. Wie in "Picknick" und dem folgenden "Die letzte Flut" geht es Peter Weir deutlich um Zivilisationskritik. Die Bewohner von Paris lassen alle Menschlichkeit vermissen, sämtliche Taten sind ökonomisch gesteuert, darauf ausgerichtet, Profit zu machen. Gewalt und Tod sind ihr täglich Brot und sichern ihre Existenz. Peter Weir zeigt eine teilnahmslose und gleichgültige Gesellschaft, die im Schlusskampf gegen die "Eindringlinge" ihren Besitzanspruch bis aufs Blut verteidigt. Insofern kann man dieses Frühwerk als Satire bezeichnen, die dafür nötige Komik aber ist nur stellenweise zu finden. Zynismus gibt es dafür reichlich. Die Auto-Stunts sind exzellent inszeniert, die ausgefallenen Kamerapositionen durchgehend originell. Der Film zerfällt allerdings für meinen Geschmack zu sehr in seine Einzelteile (ähnlich wie die Autos), baut keine durchgehende Spannung auf und hat aus heutiger Sicht einfach eine Menge Staub angesetzt. Insofern kann ich ihn nur eingeschränkt empfehlen, für den Filmfreund mit ausgefallenem Geschmack.
Einige Jahre später (1979) sollte der Australier George Miller mit "Mad Max" einen sehr ähnlichen Stoff über seltsame Gestalten, Landstraßen und Auto-Crashs inszenieren, der offensichtlich auch von Weirs Film inspiriert wurde.

Fazit: Fans des frühen Peter Weir können einen Blick in DIE AUTOS, DIE PARIS AUFFRASSEN riskieren, aber man sollte kein Meisterwerk von der Qualität eines "Picknick am Valentinstag" erwarten. Dies ist schräges B-Kino, wie es heute nicht mehr existiert.

05/10

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