Dienstag, 16. Februar 2010

Die Aushilfe (1993)

Regisseur Tom Holland hat in den 80ern mit Die rabenschwarze Nacht - Fright Night und Child's Play [UK Import] sehr erfolgreiche Horrorfilme inszeniert, 1993 versuchte er sich mit DIE AUSHILFE im Genre des Yuppie-Thrillers im Stil von Die Hand an der Wiege. Das Ergebnis ist ein recht unterhaltsamer Film, für den man aber keine starken Nerven braucht.

Der Inhalt: Jung-Yuppie Timothy Hutton stellt die verführerische Lara Flynn Boyle als Aushilfe ein, die nicht nur ungemein effektiv arbeitet, sondern sich auch noch schamlos an ihn heranmacht, wenn sie nicht gerade Wespen beim Mittagessen zerquetscht, alle 5 Minuten ihre Frisur ändert oder mit Huttons bestem Freund (Steven Weber) ins Bett geht. So ein Luder. Nach mehreren bizarren Unfällen aber wächst in Hutton der Verdacht, sie habe es auf seinen Arbeitsplatz abgesehen, oder gar auf sein Leben...?

Der beste Aspekt des Films ist die Tatsache, dass alle vermeintlichen Untaten der Aushilfe durchaus nur im Kopf von Hutton stattfinden könnten, als Zuschauer werden wir niemals Zeuge ihrer mörderischen Intrigen. Hutton wird gleich zu Beginn als labile Persönlichkeit eingeführt, sein Psychiater diagnostiziert ein "Jekyll/Hyde-Syndrom" (klingt sehr fachmännisch). Damit wird DIE AUSHILFE zu einem recht interessanten Thriller über Paranoia in der Arbeitswelt. So ist auch der Schluss, der völlig ohne Horrorfilm-Klischees auskommt und erfrischend trocken serviert wird, äußerst ungewöhnlich (wenngleich für die meisten, die eine finale Auseinandersetzung der beiden erwarten, eher enttäuschend).

Tom Holland würzt die Geschichte dazu mit einigen bösen Zutaten - so schmuggelt z.B. jemand Glasscherben in fabrikfrische Kekse, wodurch eine Probier-Aktion im Supermarkt zu einer deftig-blutigen Angelegenheit wird (die mit Abstand beste Szene). Ein Widersacher von Boyle wiederum versucht sich unvernünftigerweise an der Reparatur eines Aktenvernichters, steckt tief seine Hände hinein, um den Papierstau zu beseitigen, während unbemerkt... ich sage nur, AUA!

Leider unterminiert Holland die guten Ansätze immer wieder durch ebenso dämliche Einfälle, wie einen Mordanschlag per Wespenstich oder die Behauptung, dass jeder Mensch, ob Mann oder Frau, die Finger nicht von Boyle lassen kann. Diese hat übrigens viel Spaß im Film und ist ein echter Hingucker, auch wenn sie einige peinliche Momente zu spielen hat, etwa wenn sie von Hutton im häuslichen Schlafzimmer bei einer sehr "privaten Angelegenheit" erwischt wird - eine lächerliche Szene, die verzweifelt ein wenig Sex in den ansonsten sterilen Thriller bringen soll und rein gar nichts mit der Handlung zu tun hat.

Timothy Hutton spielt wie immer wunderbar den großen Jungen, der den Druck der Yuppie-Welt nicht aushält. Zwischen ihm und Boyle stimmt die Chemie. Als Chefin des Unternehmens agiert die eigentlich großartige Faye Dunaway allerdings so schrecklich gekünstelt, dass sie für ihre Leistung eine verdiente Goldene Himbeere erhielt und den Film in jeder ihrer Szenen an den Rand des Schwachsinns schaukelt. Schade.
Insgesamt kann man DIE AUSHILFE schnell mal zwischendurch anschauen, muss man aber nicht. Wie vieles in den 90ern ist auch dieser Film hübsch, aber harm- und belanglos.

05/10

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