Montag, 15. Februar 2010

Die 39 Stufen (1935)

DIE 39 STUFEN hat Alfred Hitchcock immer zu seinen Lieblingsfilmen gezählt, und es fällt nicht schwer zu verstehen, warum. Beinahe sämtliche Themen seiner späteren Werke finden sich hier, zudem steckt der Film voller unvergesslicher Momente, die zu oft kopierten Standards der Thriller-Geschichte wurden: der Unschuldige auf der Flucht, das mit Handschellen aneinander gefesselte, unfreiwillige Liebespaar, die tödliche Kugel, die durch eine Bibel in der Brusttasche aufgehalten wird, der Oberbösewicht, dem ein Teil des Fingers fehlt, und so weiter.

Die Jagdszenen durch das vernebelte schottische (Studio-)Hochland sind reinster Expressionismus. Madeleine Carroll ist die erste kühle Blondine in einer Reihe von kühlen Hitchcock-Blondinen. Der Dialog ist heute noch auf den Punkt intelligent und spritzig. Bewundernswert, wie Hitchcock den Zuschauer sofort und ohne Vorspiel in die Handlung zieht. Rasantes Tempo ohne Längen. Hitchcock-Held Robert Donat stolpert von einer Verfolgungsjagd in die Nächste, von einer Situation zur Nächsten. Unvergesslich auch die kleinsten Charaktere.

DIE 39 STUFEN ist ein verdienter Klassiker, ohne falsche Emotionalität und billige Psychologisierung, wie sie heute in jedem zweiten Film stattfindet, ein Thriller von hohem Tempo ohne Längen, mit Witz und subtiler Erotik (Donats Hände, die in Handschellen unfreiwillig an Carrolls Beinen entlang streichen, als sie ihre Strumphose auszieht), und nebenbei schießt Hitchcock auch noch satirische Pfeile ab (als Donat auf der Flucht in eine politische Versammlung gerät, muss er unvorbereitet eine Rede halten und füllt sie mit so vielen Klischees, dass er stürmischen Applaus erhält, ohne dass er wüsste, für wen er eigentlich auftritt). Was kann man noch mehr von einem Film verlangen?

10/10

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