Freitag, 12. Februar 2010

Diabolisch (1996)

Bevor Regisseur Jeremiah Chechik mit der katastrophalen Kinoversion von "Mit Schirm, Charme und Melone" sein eigenes künstlerisches Grab schaufelte, vergriff er sich 1996 an dem französischen Klassiker Die Teuflischen von Henri-Georges Clouzot, der in der Filmgeschichte so oft kopiert wurde, dass es nun wirklich keines Remakes bedurfte.

In DIABOLISCH geht es um eine kleine Privatschule, die vom tyrannischen Chazz Palminteri geleitet wird, der bei jeder Gelegenheit seine scheue Ehefrau Isabelle Adjani demütigt (so zwingt er sie z.B. Hühnerfrikassee zu essen, diese Bestie!) und ein heißes Verhältnis mit Lehrerin Sharon Stone pflegt. Was er nicht weiß - Stone und Adjani planen längst, ihn um die Ecke zu bringen. Nach erledigtem Mord allerdings mehren sich die Zeichen, dass der Tote gar nicht so tot ist. Spielt da jemand ein hinterhältiges Spiel? ...

Ich gebe es offiziell zu - ich liebe Sharon Stone, obwohl mir bewusst ist, dass 80 Prozent ihrer Filme Schrott sind. Ich liebe sie trotzdem, und sie ist der einzige Grund, sich diesen Unsinn, der gern ein Thriller sein möchte, anzuschauen. Das betrifft nicht nur ihr vorzügliches Spiel, sondern auch Makeup und Kostüme, die dermaßen bizarr gestaltet sind, dass sie allein das Interesse des Zuschauers kurzzeitig wach halten können, bevor er aufgrund des spannungsarmen Geplätschers endgültig dahindämmert. Stones Dialoge sind betont "cool" und sämtlich deplaziert (überhaupt reden alle Charaktere wie Sitcom-Figuren, immer auf eine gute Pointe oder schlagfertige Replik bedacht, egal ob es zu ihrer Psychologie passt oder nicht), aber auch das schadet nicht. Was schadet, ist das fürchterliche Drehbuch, das nie von der Stelle kommt und jede überraschende Wendung mit Pauken und Trompeten ankündigt. Die übrigen Darsteller helfen leider nicht. Palminteri zieht eine übertriebene Chauvinisten-Nummer ab, und Isabelle Adjani - die ansonsten natürlich über jeden Zweifel erhaben ist - schaut den kompletten Film hindurch wie ein Reh in den Autoscheinwerfer. Kathy Bates schlafwandelt durch eine Nebenrolle, in der sie als Privatdetektivin mit Brustkrebs (das Wort "geschmacklos" trifft es nicht mal ansatzweise!) in finsteren Kellern herumstöbert und sich schnell niederschlagen lässt, um ihre Drehzeit zu verkürzen und den Agenten zu verklagen.

Gibt es etwas Positives? Kamera und Sets sind atmosphärisch düster, und der Soundtrack von Randy Edelman suggeriert einen wesentlich besseren Thriller. Ansonsten kann ich DIABOLISCH nur Fans von Sharon Stone empfehlen. Die Schauspielerin war übrigens so unzufrieden, dass sie sich weigerte, bei der Promotion zu helfen und sich bei einem Frankreich-Besuch offiziell für die Beleidigung des großen Klassikers entschuldigte. Das hat doch Klasse. Der Film war darüber hinaus so erfolglos, dass er Stones Karriere, die gerade wieder durch Martin Scorseses "Casino" und eine Oscar-Nominierung aufgefrischt wurde, erneut ins Stottern brachte. Sie hat bis heute keinen Hit mehr gelandet, und niemand bedauert das mehr als ich.

04/10

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