Sonntag, 14. Februar 2010

Desire - Perlen zum Glück (1936)

DESIRE (Perlen zum Glück) aus dem Jahr 1936 vereinte das Traumpaar Marlene Dietrich und Gary Cooper sechs Jahre nach ihrem furiosen Erfolg mit "Marokko" und erzählt von der schönen Diebin Madeleine (Dietrich), die sich in Paris eine millionenschwere Perlenkette erschwindelt und diese dann über die spanische Grenze schmuggeln muss - weswegen sie den Schmuck kurzerhand dem amerikanischen Touristen Tom (Cooper) unbemerkt in die Tasche steckt. Allein, die Kette zurückzubekommen ist schwieriger als gedacht...

DESIRE wurde von Frank Borzage inszeniert, doch ist der berühmte "Lubitsch-Touch" des Produzenten Ernst Lubitsch in jeder Szene spürbar. Lubitsch hat Teile des Films selbst inszeniert, als sein Regisseur Borzage wegen anderweitiger Verpflichtungen unabkömmlich war, so besitzt DESIRE genau die Leichtigkeit in der Präsentation und Schärfe in der Beobachtung der Geschlechter, die zu Lubitschs Markenzeichen wurde. Die Rolle der Madeleine war für Dietrich eine willkommene Abwechslung, nachdem sie mit den Filmen ihres Entdeckers Josef von Sternberg an einem toten Punkt angekommen war und das Publikum sie nicht mehr als unantastbare Göttin akzeptieren wollte (sie wurde offiziell zum "Kassengift" erklärt).

Als französische Diebin darf Marlene ebenso raffiniert wie schlagfertig und verführerisch sein und eine ganze Palette an Emotionen spielen. Die Kamera von Charles Lang liebt die Schauspielerin und schenkt ihr berückende Großaufnahmen, während die Kostümabteilung sie mit den aufregendsten Kleidern und Accessoires schmückt. DESIRE ist ein wahres Fest für Dietrich-Fans. Gary Cooper hat kaum mehr zu tun als Dietrich anzuhimmeln und den sympathischen, gutmütigen Helden zu spielen, der ernste Gefühle für die Undurchschaubere empfindet, und wie schon in "Marokko" harmonieren die beiden perfekt.

In einer Nebenrolle brilliert die skurrile Zeffie Tilbury als "Tante Olga", die Senior-Chefin des Diebesrings, die zwei Brandys braucht, um "nüchtern zu werden". Die Handlung von DESIRE ist zwar komplett unglaubwürdig, bietet aber genügend Überraschungen und romantische Verwicklungen, dass zu keiner Zeit Langeweile aufkommt.

Was an einem über 70 Jahre alten Film ebenfalls erstaunt ist die Tatsache, wie modern und fortschrittlich die Geschlechterrollen definiert sind. Madeleine/Marlene ist eine vollkommen unabhängige, selbstständige Frau. Niemals wird vom Film suggeriert, dass sie einen Mann bräuchte, um glücklich zu werden oder dass ihre Diebeszüge etwaige Einsamkeit kompensieren. Sie ist der Prototyp der starken, intelligenten Frau, die - selbst wenn sie vor dem Traualtar landet - ihre Unabhängigkeit behält und ihre Liebe großzügig gibt, anstatt eine "Erfüllung" zu finden. Umwerfend.

Leider blieb DESIRE der gewünschte Erfolg an der Kinokasse verwehrt (auch der folgende Lubitsch/Dietrich-Film "Angel" wurde weitgehend ignoriert), und Marlene schaffte erst 1939 mit dem "großen Bluff" ein glänzendes Comeback. Heute aber muss DESIRE zu den besten Filmen von Dietrich und Lubitsch (bzw. Borzage) gezählt werden.

10/10

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