Mittwoch, 17. Februar 2010

Der Wolf hetzt die Meute (1984)

DER WOLF HETZT DIE MEUTE - TIGHTROPE aus dem Jahr 1984 gehört zu den besten Filmen Clint Eastwoods und wäre vielleicht noch besser, hätte er auch Regie geführt. Aber auch ohne den Meister hinter der Kamera ist TIGHTROPE ein Stück Thriller-Kino vom Feinsten, mit vielschichtigen Charakteren und starker Atmosphäre.

Die Story ist schnell erzählt: der alleinerziehende Detective Wes Block (Eastwood) jagt einen Serienkiller, der in New Orleans Prostituierte ermordet. Da Block selbst in einsamen Stunden gern die Dienste jener Damen beansprucht und auch an S/M-Spielchen Gefallen findet, gerät er selbst bald unter Verdacht. Könnte er tatsächlich der Killer sein? ...

Spannende Prämisse für einen spannenden Film, der sich besonders durch die Zeichnung seiner Hauptfigur von ähnlich gestrickten Thrillern unterscheidet. So darf Eastwood hier zwar auf der einen Seite ein absolut liebevoller Vater seiner zwei Töchter sein, andererseits ziehen ihn Leere, innere Unruhe und die unbearbeitete Vergangenheit (seine Frau hat ihn und die Töchter verlassen) immer wieder in die Nacht hinaus, wo er sich oberflächlichen Reizen sexueller Natur hingibt. Erst die Bekanntschaft mit Geneviève Bujold, die als Feministin ein Krisencenter für Frauen leitet und Selbstverteidigungskurse gibt, holt ihn wieder komplett ins Leben zurück. Dass ausgerechnet sie sich in den knallharten und eigenbrötlerischen Eastwood verliebt, gibt dem Film einen besonderen Reiz, und selten hat man (zu jener Zeit) Eastwood mit einer derart starken Schauspielerin und weiblichem Co-Part an seiner Seite gesehen. Die Frage, ob der von Eastwood gespielte Block (Block wie in seelischer Blockade) vielleicht selbst der Täter sein könnte, stellt sich zwar nur bedingt, da man ihm die brutalen Taten letztlich nicht zutraut, aber der Mut des Films, seine Figur mit so vielen Untiefen auszustatten, dass man zumindest darüber nachdenkt, zahlt sich aus.

TIGHTROPE ist ein extrem düsterer und weitgehend humorfreier Thriller, der dem Zuschauer kaum Zeit zum Entspannen gönnt. Was das 80er Thriller-Kino anbelangt, geht es kaum besser.

09/10

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