Sonntag, 14. Februar 2010

Der Teufel ist eine Frau (1935)

THE DEVIL IS A WOMAN aus dem Jahr 1935 war der letzte Film, den Regisseur Josef von Sternberg mit seiner Entdeckung Marlene Dietrich in Amerika machte, er war ein finanzieller Reinfall und hat Marlenes Karriere nachhaltig beschädigt, ihr sollte erst Jahre später mit DER GROSSE BLUFF ein glänzendes Comeback gelingen.

Dabei zeigt THE DEVIL IS A WOMAN von Sternberg auf der Höhe seiner Kunst und ist so atemberaubend dekadent, opulent und künstlich, dass man ihn mit Worten kaum beschreiben kann. Man muss ihn gesehen haben, um ihn zu glauben.

Schauplatz ist Spanien, zur Zeit des Karnevals, was Sternberg Gelegenheit für ausufernde Ausstattungs-Orgien gibt. Der gesamte Film ertrinkt in Konfetti, Luftschlangen, bizarren Masken und surrealen Dekors. Man kann unmöglich alle Details wahrnehmen, die Bilder platzen aus allen Nähten. Von Sternberg hat den Film selbst fotografiert, und rein visuell gehört er unter die Besten der Besten. Man könnte THE DEVIL IS A WOMAN vollkommen ohne Dialog sehen und trotzdem alles verstehen, die Bilder erzählen die Geschichte.

Der Inhalt ist dabei nebensächlich: der junge Cesar Romero wird von seinem älteren Freund Lionel Atwill gewarnt, sich auf die verführerische Sängerin Dietrich einzulassen. In Rückblenden wird die Beziehung zwischen Atwill und Dietrich geschildert, die an Sadomasochismus grenzt (freundlich ausgedrückt) und dramatische Konsequenzen für alle Beteiligten hat.

Marlene spielt hier eine dermaßen oberflächliche, manipulative Femme Fatale, dass man sie als Zuschauer bald hassen lernt (natürlich nicht wirklich, sie ist immerhin Marlene). Sie stampft auf den Boden, wenn sie etwas will, klimpert mit den langen Wimpern, rollt die Augen und raucht Zigaretten, als gäbe es kein Morgen. Sie singt das herrlich-absurde "Three Sweethearts I Have" über ihre drei Liebhaber, denen sie "treu" ist. Ihre Film-Mutter kassiert jeden Mann ab, der sich mit ihrer Tochter verabreden will. Lionel Atwill verliert allen Stolz, alles Geld und schließlich fast sein Leben. Waren schon Sternbergs vorige Filme mit Marlene weitgehend inhaltsfrei, bemüht er sich in THE DEVIL IS A WOMAN nicht einmal mehr, dies zu kaschieren und zelebriert Marlene, ihre Großaufnahmen, Kostüme und das Niemandsland, in dem der Film spielt. Man kann das alles höchst albern finden, aber rein visuell ist sein Film so fantastisch, surreal und märchenhaft, dass man staunend davor sitzt. Für die Charaktere kann man sich unmöglich interessieren, und doch tut man es. Wahnsinn?

09/10

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