Montag, 12. April 2010

Der Tag, an dem die Welt unterging (1980)

Produzent Irwin Allen, der für die Mega-Hits "Poseidon Inferno" und "Flammendes Inferno" verantwortlich zeichnete, schusterte diesen Katastrophen-Nonsens mit deutlichen Merkmalen der Verzweiflung 1980 zusammen, um (erfolglos) an alte Erfolge anzuknüpfen.
Die Welt geht hier nicht wirklich unter, stattdessen bekommen es die Top-Stars mit einem Vulkanausbruch auf einer Südseeinsel zu tun, der ein Luxus-Hotel bedroht. Da es auf der ganzen Insel keine Boote gibt (warum auch?), macht sich eine kleine Gruppe - darunter Jacqueline Bisset und William Holden - unter der Führung von Paul Newman auf, über glühende Lava und wacklige Felsvorsprünge das sichere Hochland zu erreichen... Die restlichen 200 Hotelgäste bleiben lieber, wo sie sind, weil... ja, weil das sonst zu viele wären.

Da man sich kaum für die hauchdünnen Charaktere interessiert, besteht die interessante Frage darin, welcher Star (und wessen Karriere) wohl überleben, und wer von der Lava frittiert wird. Anders als die beiden Vorgänger kann DER TAG... weder mit Spannung noch mit Action überzeugen, er wirkt trotz Cinemascope billig produziert, die Spezialeffekte sind weitgehend lächerlich. Man fragt sich eher, was hochkarätige Schauspieler wie Newman und Holden hier zu suchen haben. Dafür wimmelt es im Film von hübsch-dämlichen Einfällen, die zum Dauerschmunzeln anregen. Ein Forschungslabor etwa wurde offensichtlich von einem Suizidgefährdeten direkt am Rand des Vulkankraters errichtet und stürzt "überraschend" hinein - wer konnte das ahnen? Eine High-Tech-Gondel zur Messung der Vulkan-Aktivität (mit Glasboden!) stammt direkt aus dem Raumschiff Enterprise und piepst laut, wenn es zu heiß wird. Ich selbst besaß in den 80ern einen Vulkan aus einem YPS-Heft, der realistischer aussah als der hier dargestellte.

Daneben sind alle Klischees des 70er-Katastrophenkinos vorhanden: die "Love Boat"-Handlungsstränge (Bisset kann sich nicht zwischen dem 20 Jahre älteren Newman und dem 40 Jahre älteren Holden entscheiden), der "Böse", der alle Warnungen ignoriert (James Franciscus), sowie die letzte große Herausforderung auf dem Weg zur Sicherheit. Die findet auf einer morschen Holzbrücke statt, unter der ein tödlicher Lavastrom fließt. Zum Glück befindet sich aber der ca. 70-jährige Burgess Meredith unter den Überlebenden, der als Ex-Varieté-Künstler (was für ein toller Zufall!) mit Bambus-Stock und Kind huckepack über die Brückenreste balanciert. Das muss man gesehen haben! Die Dialoge sind übrigens durchgehend sensationell gut, ein Beispiel: Bisset am Strand anzüglich zu Newman: "Man sagte mir schon, dass du nicht nur nach Öl bohrst..." Hui!
Und die Moral von der Geschichte: alle Aufrechten und Mutigen haben eine faire Chance gegen die Naturgewalten, alle Ehebrecher, Ignoranten und korrupten Fieslinge müssen kreischend zur Hölle fahren. Wenn die reale Welt doch nur so einfach wäre...

Die DVD von Warner "spartanisch" zu nennen, wäre eine Übertreibung. Außer dem Film in guter Qualität (Cinemascope, Ton mehrere Sprachen Mono) befinden sich weder ein Extra noch ein animiertes Menü auf der Disc. Mit 105 Minuten scheint der Film gekürzt zu sein, die US-Quellen geben ihn mit 121 Minuten an. Herrlich dagegen der Text auf der Cover-Rückseite, welcher dermaßen marktschreierisch den Film anpreist, als handle es sich mindestens um "Citizen Kane". Empfohlen für Liebhaber des Katastrophenkinos und Trash-Fans!

04/10

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