Mittwoch, 17. Februar 2010

Der Schrei der Eule (2009)

Patricia Highsmiths Roman "Der Schrei der Eule" wurde bereits 1987 vom französischen Meister Claude Chabrol verfilmt.
Diese neue Version von 2009 wurde vom ehemaligen Musikvideo-Regisseur Jamie Thraves geschrieben und inszeniert, der in seiner Bearbeitung überraschend keinen gesteigerten Wert auf schnelle Schnitte oder Effekte legt, sondern sich ganz in den Dienst der Geschichte stellt. Sein Film richtet sich zwar angenehm gegen den aktuellen Trend und will auf subtile Weise unterhalten, bleibt dabei aber leider fade und unglaubwürdig, DER SCHREI DER EULE kam bei uns nicht ins Kino, wo er zweifellos untergegangen wäre.
Worum geht es? Der in einer zermürbenden Scheidung steckende Robert (Paddy Considine) beobachtet seit Monaten nachts das Haus von Jenny (Julia Stiles), deren Schönheit (Geschmackssache) ihn fasziniert. Als sie ihn eines Tages entdeckt, kommen sie ins Gespräch, sie verliebt sich in ihn und trennt sich von ihrem jähzornigen Lebensgefährten Greg (James Gilbert), was zu Mord und Totschlag sowie mehreren Verwicklungen führt, die das Leben des armen Robert vollkommen ins Chaos stürzen...

DER SCHREI DER EULE spielt zwar mit Thriller-Elementen, ist aber gleichzeitig auch Psychodrama, schwarze Liebesgeschichte und Tragödie. Diesen Mix muss man als Regisseur unter einen Hut bekommen, und leider fällt Jamie Thraves nicht viel ein, viel zu oft kopiert er Chabrols Film bis hin zu Einstellungsfolgen, was man schwer noch als Hommage bezeichnen kann. Visuell ist DER SCHREI DER EULE trist und farblos inszeniert, es fehlt gänzlich das verführerische Prickeln, die Lust an menschlichen Abgründen, die einen solch klassischen Film Noir ausmachen würde.

Die Besetzung hilft ebenfalls nicht. Die Hauptrolle verlangt einen armen Tölpel, dessen Voyeurismus mehrere Menschen ungewollt das Leben kostet. Paddy Considine ist hier weder sympathisch, noch möchte man sich mit ihm identifizieren oder empfindet böse Freude an seinem Abstieg. Jennys Freundin nennt ihn einen "Creep", und genau das ist er auch. Julia Stiles ist als Femme Fatale eine krasse Fehlbesetzung. Ihr Spiel bleibt durchgehend eintönig und einschläfernd, niemals versteht man, was zur Hölle Robert an ihr findet. Die Nebendarsteller - wie Considines zickige Ehefrau, die sich immer peinlich verhalten muss, um abqualifiziert zu werden (kein Mensch verhält sich annähernd wie diese Frau) - agieren teilweise amateurhaft. Am Ende war ich froh, dass es vorbei war.

Heutzutage ist man geneigt, jeden Film, der auf leisen Sohlen daherkommt und nicht sofort alle offenen Fragen beantwortet, gleich zum Meisterwerk zu erklären. Hätte ich gern getan, aber DER SCHREI DER EULE ist dafür einfach zu schwach und ideenlos.

02/10

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