Dienstag, 16. Februar 2010

Der römische Frühling der Mrs. Stone (1961)

DER RÖMISCHE FRÜHLING DER MRS. STONE (The Roman Spring of Mrs. Stone) ist die Verfilmung des einzigen Romans von Tennessee Williams und erzählt von einer erfolgreichen Bühnenschauspielerin (Vivien Leigh) in reifen Jahren, die sich nach dem Tod ihres Mannes in Rom verzweifelt und ziellos treiben lässt, um sich dann in einen jungen Gigolo (Warren Beatty) zu verlieben, der nur ihr Geld im Sinn hat.

Man muss es dem Film (von 1961) lassen, dass er das Thema des Buches (eine Frau versucht die Leere in ihrem Leben mit Sex und gekaufter Zuneigung zu füllen) so wenig verfälscht wie es ihm zur Zeit seiner Entstehung möglich war. Allerdings war die Zeit leider noch nicht wirklich reif für eine solche Geschichte, schon gar nicht im prüden Amerika. Deswegen muss der Film ständig Andeutungen machen und das Offensichtliche irgendwie umschreiben, was ihn heute sehr verstaubt und verklemmt wirken lässt.

Das größere Problem besteht allerdings darin, dass der sehr fragmentarische, unchronologische Roman nicht gut zur Filmerzählung umgearbeitet wurde. Zwar finden sich so ziemlich alle Szenen des Romans im Film wieder, aber er wirkt holprig und unfokussiert, weil ihm schlicht die erzählerischen Mittel fehlen, um das Innenleben der Charaktere darzustellen. So erfährt man nie genau, wie eigentlich die Figuren zueinander stehen und wohin der Film schließlich will. Das führt stellenweise zu Langeweile, obwohl es mehrere großartige Szenen gibt, die eine bessere Verbindung gebraucht hätten.
Eine weitere Schwäche des Films ist die offensichtliche Kulissenhaftigkeit. Obwohl mehrere Szenen an Originalschauplätzen gedreht wurden, fand der Hauptteil der Dreharbeiten im Studio in England statt. MRS. STONE handelt von einer Frau, die "sich treiben" lässt, wie sie es ausdrückt, die kein Ziel mehr in ihrem Leben hat. Aber statt eines authentischen Rom-und Sonne-Gefühls, das die Geschichte zwingend benötigt, sieht die Dekoration zu oft nach Studio und Rückprojektion aus, was wirklich bedauerlich ist.

Grandios bleiben unbestritten die Leistungen der Darsteller, die pikanterweise sehr viel reale Ähnlichkeit mit den Filmfiguren aufweisen. Vivien Leigh spielt die Mrs. Stone mit einer kühlen Überheblichkeit, hinter der sie ihre Verletzbarkeit verbirgt. Die Angst vor dem Alter kann man ihr praktisch in jeder Szene anmerken. Warren Beatty, der gerade seinen ersten großen Erfolg vorzuweisen hatte, ist ihr absolut ebenbürtig als leicht schmieriger, eitler Schönling, der sich lieber faul beim Friseur oder auf Sonnenliegen aalt als Mrs. Stone die ersehnte Zuneigung zu geben und sieht dabei noch umwerfend aus. Allen die Show stiehlt aber letztlich Lotte Lenya als heruntergekommene italienische Gräfin, die sich für eine große Dame hält, im Grunde aber nichts weiter als eine Zuhälterin ist, die sich sogar Geld erbetteln muss und nur Verachtung für amerikanische Frauen übrig hat.

Fazit: es ist immer schade, wenn Tennessee Williams' gewagte Themen und Blicke in hoffnungslose Seelen nicht adäquat übertragen werden können. So bleibt ein etwas angestaubtes Drama, das in erster Linie von den Schauspielern lebt. Die TV-Neuverfilmung des Stoffes von 2003 mit Helen Mirren und Olivier Martinez ist eine kongeniale Umsetzung des Romans und dieser älteren Fassung absolut vorzuziehen.

05/10

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