Montag, 15. Februar 2010

Der Prinz und die Tänzerin (1957)

DER PRINZ UND DIE TÄNZERIN, nach einem Bühnenstück von Terence Rattigan, erzählt vom osteuropäischen Regenten Karl (Laurence Olivier), der 1911 zur Krönungsfeier George V. nach London reist und sich am Abend vor dem offiziellen Anlass gern noch erotisch amüsieren möchte. Zu diesem Zweck lässt er das Showgirl Elsie Marina (MM) antanzen, doch der Abend wird zum absoluten Reinfall, denn die hübsche Elsie betrinkt sich erst und fällt dann in en entzückendes Wodka-Koma. Auch danach wird er sie nicht los...

Die Bühnen-Vorlage lautet frei übersetzt "Der schlafende Prinz", und genau darum geht es hier - eine umgedrehte Dornröschen-Geschichte. Marilyn weckt als sexy Wirbelwind die gesamte Botschaft jenes merkwürdigen Zwergenstaates aus ihrem Tiefschlaf. Sie löst im Prinzregenten zum ersten Mal seit dem Tod seiner Frau Liebesgefühle aus, sie zaubert ein herzhaftes Lachen auf das steinerne Gesicht seiner Schwiegermutter (köstlich: Sybil Thorndike in der witzigsten Nebenrolle), und sie treibt einen britischen Botschaftsassistenten (Richard Wattis), der für den reibungslosen Ablauf des Staatsbesuches verantwortlich ist, an den Rand des Wahnsinns. Zudem sorgt sie noch für einen politischen Umsturz.

Das alles spielt Marilyn Monroe mit dem Charme und dem Timing einer ganz großen Komödiantin. Sie ist nicht nur Hauptdarstellerin, sondern auch Produzentin des Films, während ihr Co-Star Laurence Olivier gleichzeitig Regie führt. Nach eigenen Aussagen konnten sich beide nicht ausstehen, und hinter den Kulissen muss es andauernd gekracht haben. Doch auf der Leinwand bzw. dem TV-Bildschirm ist davon nichts, aber auch gar nichts zu merken. Es ist beeindruckend, wie der gefeierte Schauspieler Olivier als Darsteller und Regisseur seiner Partnerin Monroe den Film vollständig überlässt und selbst nur die zweite Geige spielt - das allerdings mit unvergleichlich knurrigem Charme und sympathischer Humorlosigkeit.

Der erste Akt des Dreiakters ist auch schon der Beste. Er beschreibt das erste Rendezvous der beiden und bietet viel sprühenden, intelligenten Witz inklusive politischer Seitenhiebe auf die USA und Europa als Partner, die nie zueinander finden werden - genau wie unsere Helden. In meiner Lieblings-Szene macht Marilyn mit dem Botschaftsassistenten eine fingierte Nachricht aus, die sie aus den Armen des zudringlichen Regenten befreien soll. Als diese dann kommt, ist Marilyns Reaktion darauf (sie hat sich in der Zwischenzeit verliebt und will um keinen Preis aus den Regenten-Armen befreit werden) einfach urkomisch.

Bemerkenswert ist noch die Tatsache, dass Marilyn im ganzen Film (abgesehen vom Prolog) nur ein einziges Kostüm trägt, das andauernd neu variiert wird. Überhaupt wirkt sie hier auf mich - gerade die 30 überschritten - noch reizender als in ihren frühen Filmen, weil zu ihrer Schönheit auch noch erwachsene Reife und eine Leichtigkeit im Spiel gekommen sind, die sie unwiderstehlich machen. Der Film ist zudem von Altmeister Jack Cardiff in satten Farben grandios fotografiert worden, und seine Kamera liebt Marilyn Monroe ebenso wie ich.

9.5/10


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...