Mittwoch, 17. Februar 2010

Der Pornograph (2001)

Der französische Spielfilm DER PORNOGRAPH von 2001 erzählt vom alternden Porno-Regisseur Jacques (Truffaut-Entdeckung Jean-Pierre Léaud, selbst in die Jahre gekommen, aber immer noch sehenswert wegen seiner herrlich manierierten Spielweise), der in einer Krise steckt. In den 70ern mit seinen Hardcore-Filmen erfolgreich und als innovativ gelobt, hat er seinen Beruf bereits aufgegeben, nimmt aber jetzt aus finanzieller Not noch einmal die Herausforderung an. Er sucht nach Kunst und Originalität, aber die Zeiten haben sich geändert. Er schläft neben einem Notizblock, weil er nachts die besten Ideen hat, aber die Zettel sind leer. Sein Stil ist nicht mehr gefragt, sein Sohn hat vor Jahren das Haus verlassen, als er von Papas Beruf erfuhr, seine Ehe besteht aus Schweigen. Jacques steht am Wendepunkt und muss etwas ändern. Er verlässt die Frau, trifft seinen Sohn (Jérémie Rénier), der selbst genug Probleme hat, und er will ein Haus bauen. Wohin geht seine Reise?

DER PORNOGRAPH ist sozusagen die französische Arthaus-Variante von "Boogie Nights", wenngleich beide Filme stilistisch so weit voneinander entfernt sind, wie es nur geht. DER PORNOGRAPH ist extrem still, schlicht und behutsam. Die besten Momente hat er im ersten Drittel, wenn Léaud am Set des Porno-Drehs künstlerische Anweisungen gibt, die dann vom Produzenten alle über den Haufen geworfen werden ("Du drehst doch keinen Unsinn, oder, Jacques?"), um das zu zeigen, was die Leute sehen wollen.

An dieser Stelle sollte erwähnt werden, dass hier (trotz einer FSK 16-Einstufung) tatsächlich "echte" Pornografie zu sehen ist - Zuschauer, die sich normalerweise davon fernhalten, sind hiermit gewarnt. Erregend ist das alles aber nicht, soll es auch nicht sein. Der Pornofilm ist ein Geschäft, das keine Künstler braucht, und der Film zieht sehr subtile Komik aus der Arbeit, etwa wenn die Filmemacher vor einer Wand mit der Drehbuch-Konstruktion stehen und überlegen, ob noch etwas fehlt ("Naja, hier vielleicht die Anal-Szene..."). Insgesamt aber hält sich der Humor bewusst in Grenzen.

DER PORNOGRAPH ist eine Charakterstudie, die Geschichte eines Alt-68ers, der mit seinem Beruf auch eine Form von Revolution ausgeübt hat und nun keine Ziele mehr sieht. Regisseur Bertrand Bonello inszeniert diese Selbstfindung äußerst sparsam und sperrig, weswegen der Film nach der Hälfte - wenn er das Porno-Milieu verlässt und sich ausschließlich auf den privaten Teil konzentriert - doch sehr zäh und für meinen Geschmack zu spröde wird (und ich mag spröde Filme). Da man die Motivationen der Charaktere nur bedingt nachvollziehen kann, wird man schwer involviert, letztlich berührt das Schicksal von Jacques nicht so, wie es sollte.

DER PORNOGRAPH entzieht sich jedem Klischee (sogar der Porno-Produzent, in anderen Filmen stets als schmierig und geldgeil abqualifiziert, wird hier zu einer ernsthaften Figur), und ich kann ihn Fans von Léaud und Rénier empfehlen, weil beide sehr sehenswerte Darstellungen zeigen. Wirklich begeistert hat er mich aber insgesamt trotz des guten Beginns nicht.

06/10

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