Mittwoch, 17. Februar 2010

Der Morgen danach (1986)

Sidney Lumets "Der Morgen danach" erzählt von einer alkoholabhängigen Ex-Schauaspielerin, die verkatert und ohne Erinnerung an die letzte Nacht neben einer Leiche aufwacht und sich nun fragen muss, ob sie die Mörderin ist oder jemand ein gemeines Spiel mit ihr treibt.

Das klingt sehr spannend, ist es aber nur bedingt, denn Regisseur Lumet interessiert sich nicht besonders für die Thriller-Handlung. Tatsächlich ist sogar die Auflösung der Geschichte ziemlich an den Haaren herbeigezogen und kommt praktisch aus dem Nichts.

Was den Film aber dennoch sehr, sehr sehenswert macht, sind die Figuren und ihre Darsteller, allen voran natürlich Jane Fonda, die den gesamten Film dominiert und eine absolut oscarwürdige Leistung zeigt. Ihre Hauptfigur hat so viele Facetten, von aufgesetzter Arroganz bis zu vulgären Ausbrüchen und dann wieder mädchenhafter Verletzbarkeit, dass es eine wahre Freude ist, ihr zuzusehen.

Sidney Lumet ist es egal, ob der Zuschauer sie sympathisch findet oder nicht - sie ist realistisch und authentisch. Ihr Partner Jeff Bridges spielt die personifizierte Freundlichkeit, aber hinter seiner ausgeruhten Fassade lauern ebenfalls Kränkungen und verdrängte Erinnerungen der unangenehmen Art. Wie die beiden zusammentreffen und - ganz ähnlich wie bei Hitchcock - von einer Zweckgemeinschaft bis zur Liebesbeziehung finden, das macht den "Morgen danach" zu einem exzellenten Schauspielerfilm, udn es ist nicht weiter schlimm, dass er darüber reihenweise den Krimi vergisst.

09/10

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