Sonntag, 14. Februar 2010

Der Mieter (1976)

DER MIETER aus dem Jahr 1976 ist und bleibt für mich Polanskis großartigstes Filmwerk.
Als schüchterner Angestellter Trelkovski zieht Polanski in ein Haus, in dem es vor Unheimlichem, Skurrilem und Bedrohlichem nur so wimmelt. Hände greifen aus dem Dunkel nach ihm, er findet Zähne in einem Wandloch, Mieter beschweren sich über angeblichen Lärm, die tragische Geschichte seiner Vorgängerin, die aus dem Fenster sprang, lässt ihn nicht los. Dabei will der arme Trelkovski doch nur angepasst und unscheinbar sein, als Fremder in einer fremden Stadt...

Selten hat ein Film so beunruhigend und hautnah den Übergang von neurotischem Verhalten in erschreckenden Wahnsinn dargestellt. Ähnlich wie in seinem Frühwerk "Ekel" bleibt Polanski ganz bei seiner Hauptfigur und macht ihre Angst und Unsicherheit in jeder Minute spürbar. Dabei gelingen ihm ebenso surreale wie absurd-komische Sequenzen. Wer keine Gänsehaut verspürt, wenn Trelkovski aus seinem Fenster blickt und im Fenster gegenüber...sich selbst sieht, oder wenn die körperlose Gegenwart seiner verunglückten Vormieterin immer mehr Besitz von ihm ergreift (er raucht ihre Zigaretten, trinkt ihren Kakao, schließlich verkleidet er sich als sie), der hat wirklich starke Nerven.

DER MIETER bewahrt all seine Geheimnisse, der Film erklärt nichts, er zeigt nur, und die offenen Fragen sind furchterregender als jede Antwort. Als Trelkovski spielt Polanski überwältigend authentisch und sensibel. Man möchte ihm so lange helfen, bis man selbst Angst vor ihm bekommt. Ihm zur Seite stehen Filmgrößen wie Melvyn Douglas, Isabelle Adjani und Shelley Winters.

Neben einigen Reminiszenzen an sein eigenes Werk (insbesondere "Rosemary's Baby") ist DER MIETER eine ganz und gar eigene Arbeit, die mit keinem Film vergleichbar ist. Als DER MIETER in Cannes uraufgeführt wurde, blieb er unverstanden. Heute gilt er als einer der größten Horrorfilme überhaupt, ein großes künstlerisches Werk über die Ängste eines unsicheren Menschen, der an der Kälte seiner Umwelt zugrunde geht. Ein Meisterwerk!

10/10

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