Sonntag, 14. Februar 2010

Der Major und das Mädchen (1942)

Um sich ein Zugticket von New York zurück in ihre Heimatstadt leisten zu können, gibt sich die erwachsene Susan (Ginger Rogers) als 12-Jährige aus. Im Zug stolpert sie direkt in das Abteil (und das Herz) von Major Kirby (Ray Milland) und landet auf seiner Kadetten-Akademie, wo sie sämtliche Hormone gehörig durcheinander bringt - Auftakt einer Reihe amüsanter und höchst zweideutiger Verwicklungen...

Nach mehreren Drehbüchern für Ernst Lubitsch und Mitchell Leisen war DER MAJOR UND DAS MÄDCHEN aus dem Jahr 1942 Billy Wilders erste eigene Regie-Arbeit in Hollywood. Für sein Debüt suchte er sich einen erfolgversprechenden, populären Stoff aus, und die heiter-beschwingte Verwechslungskomödie war dafür ideal geeignet. Interessanterweise gibt es im MAJOR sehr viele Ideen, die Wilder später in seinem Meisterwerk "Manche mögen's heiß" weiter entwickelte, doch hält sich Wilder in diesem frühen Werk mit Zweideutigkeiten noch sehr zurück. Während Jack Lemmon sich in Frauenkleidern schnell ganz als Frau fühlt und schon von seiner Verlobung mit Millionär Osgood träumt, werden hier sämtliche erotischen Implikationen der Geschichte (ein erwachsener Mann verliebt sich in eine Minderjährige) geschickt umschifft (außer im Originaltitel).

So weiß der Major im Grunde nie, dass er sich in das Mädel Susan wirklich verliebt hat, und so muss Wilder keine schwierigen (oder gar moralischen) Fragen beantworten. Dass die absurde Story überhaupt funktioniert, liegt an Wilders kluger Regie und an Ginger Rogers, die es mit ihrer nuancierten und liebenswerten Darstellung schafft, den Zuschauer niemals darüber nachdenken zu lassen, wie fernab jeder Realität die romantische Handlung sich abspielt. Dass der Major laut Drehbuch einen Sehfehler hat, erleichtert das Ganze natürlich zusätzlich, ebenso die charmanten und intelligenten Dialoge ("Ich rauche nicht, die Pubertät macht mich schon nervös genug").

Ray Milland hat kaum mehr zu tun, als neben Rogers den etwas naiven Helden zu geben, das macht er mühelos. Drei Jahre später hat er für seine grandiose Leistung in Wilders "Lost Weekend - Das verlorene Wochenende" den Oscar erhalten. DER MAJOR UND DAS MÄDCHEN bleibt vom Beginn bis zur wundervollen Schluss-Sequenz (Wilder war ein Meister der "letzten Szene") bezaubernd, witzig und unterhaltsam. Einige hübsche visuelle Einfälle (Motten und Licht) und eine kurze Stepptanz-Einlage von Ginger Rogers sind das Sahnehäubchen auf der gar nicht überzuckerten Torte.

09/10

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