Mittwoch, 17. Februar 2010

Der Höllentrip (1980)

"Der Höllentrip" ist kein Film, der von besonders vielen Menschen geschätzt wird, was in diesem Fall ein eindeutiges Kompliment darstellt. "Der Höllentrip" verweigert sich fast allen Regeln des klassischen Erzählkinos, was nicht weiter verwundert, denn Regisseur Ken Russell hat in seinem Leben noch keinen koventionellen Film abgeliefert.
Wie in fast all seinen Werken interessieren ihn nur die düstersten Gelüste und Anomalitäten seiner Figuren, sowie die künstlerisch exzentrischste Weise, diese darszustellen. Dafür hat er im "Höllentrip" ein erstklassiges Ensemble zusammengestellt.

In der Hauptrolle brilliert William Hurt als besessener Wissenschaftler, der durch experimentelle Drogen und Isoliertanks zu einer neuen Bewustseinsebene vorzudringen versucht und sich dabei in ein urzeitliches Monster zurückentwickelt. Hurt ist dabei zu keiner Zeit wirklich sympathisch (auch keine der anderen Figuren), aber das schadet weder ihm noch dem Film. Das Drehbuch stammt vom mehrfach prämierten Paddy Chayefsky ("Network", "Hospital") und wartet mit radikalen Thesen und Ideen, sowie anspruchsvollen Dialogen, auf. Musik und Sound des Films waren seinerzeit für einen Oscar nominiert.

Was den Film aber über alle Maßen außergewöhnlich macht, sind die exzessiven Bilder, die Regisseur Russell und Kameramann Jordan Cronenweth für Hurts Visionen und Bewusstseinsveränderungen finden. In teilweise atemberaubenden Montagen sehen wir einige der surrealsten Sequenzen, die man im amerikansichen Mainstream-Kino finden kann (was auch daran liegt, dass Ken Russell eben kein Amerikaner ist, die sich mit Surrealismus eher schwer tun). Die visuellen Effekte können auch heute noch mehr als überzeugen, und William Hurts Verwandlung vom modernen Dr. Jekyll in einen affenähnlichen Mr. Hyde ist ebenso hochspannend wie beunruhigend. Möglicherweise tun sich einige Zuschauer schwer mit dem düsteren, nihilistischen Grundton (inklusive Auseinandersetzung und Ablehnung vom Katholizismus, der in keinem Russell-Film fehlen darf und sich hier gegen jede Art der Religion richtet), der bis zum Schluss vorherrscht, doch für mich zeichnet gerade dies den "Höllentrip" aus.
Für mich zählt er zu Russells besten Arbeiten - man kann ihn immer wieder sehen und jedes Mal neue Details entdecken.

09/10

Ein irrer Trip, im wahrsten Sinne

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