Mittwoch, 17. Februar 2010

Der Feind in mir (2004)

DER FEIND IN MIR (L'Ennemi Naturel) aus dem Jahr 2004 erzählt von dem jungen, unerfahrenen Polizisten Luhel (Jalil Lespert), der an der bretonischen Küste den Mord an einem jungen Mann aufklären soll. Die Begegnung mit dem verdächtigen Tanguy (Aurélien Recoing) aber bewirkt, dass Luhel plötzlich mit seinen inneren Dämonen und ungeklärter sexueller Identität konfrontiert wird...

Was zunächst wie ein typisch französischer Krimi mit viel Lokalkolorit und Atmosphäre beginnt, entwickelt sich zu einem bizarren Psychotrip mit surrealen Alptraum-Sequenzen und deutlich erotischer Metaphorik, die bisweilen die Grenzen zur Pornografie streift, während der Kriminalfilm immer unwesentlicher wird. Das klingt leider sehr viel aufregender und spannender als es ist. Regisseur Pierre-Erwan Guillaume bemüht sich, alle Erwartungen zu unterlaufen, aber es stellt sich die Frage, was er wirklich zu erzählen hat. Er verweigert nicht nur sämtliche Antworten, es wird auch nicht klar, welche Fragen er eigentlich stellt. Ihm gelingen mitunter packende Landschaftsaufnahmen der malerischen Küste, die mit dem aufgewühlten Innenleben seines Helden korrespondieren, auch die Hauptdarsteller spielen ihre Rollen absolut überzeugend. Die Augenweide Jalil Lespert, der schon in "Das Leben tötet mich" und "Eine fatale Entscheidung" begeistern konnte, liefert ein detailliertes Porträt und gibt viel von sich preis (im übertragenen wie buchstäblichen Sinne), doch man hätte sich einen besseren Film als Rahmen gewünscht. Die sexuell aufgeladene Atmosphäre ist zu Beginn durchaus faszinierend, wird aber im Lauf der Handlung immer absurder. So ist es z.B. der Blick auf Tanguys Penis, der den jungen Luhel vollkommen verwirrt und seinen Psychotrip auslöst, er kann sich der animalischen Männlichkeit seines Gegenübers nicht entziehen. Aus der Prämisse wird aber nie ein stimmiges Psychogramm entwickelt. Trotzdem bietet DER FEIND IN MIR einige sehr schöne Sequenzen, etwa wenn Lespert nachts ins Meer geht und am nächsten Morgen nackt am eiskalten Strand erwacht. Unterm Strich ist es schwer, den FEIND IN MIR zu empfehlen. Er wendet sich klar an die schwule Zielgruppe, als Filmerlebnis jenseits vom Mainstream ist er stellenweise sehenswert, hat aber für meinen Geschmack zu viele Längen und zu wenig Substanz, um wirklich zu fesseln.

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