Mittwoch, 17. Februar 2010

Der bunte Schleier (2006)

Vielleicht waren meine Erwartungen zu hoch, vielleicht hätte ich mir nicht (zufällig) kurz zuvor die erste Verfilmung der Geschichte mit Greta Garbo von 1936 ansehen sollen, vielleicht hätte ich mich auch nicht zu sehr auf ein Wiedersehen mit Diana Rigg, Heldin und Fernseh-Liebe meiner Jugend, freuen sollen. All das hat vermutlich dazu geführt, dass ich vom BUNTEN SCHLEIER doch mehr enttäuscht als begeistert war. Die Neuverfilmung des klassischen Stoffes (von Somerset Maugham) ist aber kein Reinfall, die positiven und negativen Aspekte halten sich für mich die Waage.

Die Story ist schnell erzählt: in den 20ern versucht die eigensinnige Naomi Watts den Fängen ihres Elternhauses (und ganz besonders ihrer Mutter) zu entkommen, indem sie den Arzt Edward Norton heiratet, welcher hoffnungslos in sie verliebt ist. Schnell von der Ehe gelangweilt, beginnt sie eine Affäre mit dem doppelzüngigen Liev Schreiber. Von diesem schwer enttäuscht und gedemütigt, folgt sie ihrem Gatten nach China, wo beide gemeinsam gegen die Cholera ankämpfen und Watts in einem Waisenhaus eine neue Aufgabe findet. Aber hat die Ehe noch eine Chance?

Stoff für ein gewaltiges Melodram, möchte man meinen, aber Regisseur John Curran entscheidet sich für eine sehr distanzierte und unterkühlte Regie (mit gelegentlichen Anleihen bei Bertoluccis "Himmel über der Wüste"), die es wiederum dem Publikum schwer macht, sich mit den Figuren und dem dramatischen Geschehen zu identifizieren. Das wäre nicht so schlimm, wären die Charaktere denn weniger eindimensional. Die Anziehung zwischen Schreiber und Watts zum Beispiel wird nie spürbar, weil zwischen den Schauspielern (obwohl privat ein Paar) leider kaum Chemie besteht und sie vom Drehbuch nur dürftig motiviert wird. Die exquisite Ausstattung, die wundervoll atmosphärische Musik von Alexandre Desplat (Golden Globe 2007) und die epischen Bilder einer vergangenen Epoche können nicht darüber hinwegtäuschen, dass es der Handlung an Substanz fehlt und der Film gelegentlich haarscharf an gepflegter Langeweile vorbeischrammt.

Das Beste am BUNTEN SCHLEIER ist die Besetzung. Watts und Norton sind fantastische Schauspieler (wenn es verlangt wird, allzu oft muss gerade Watts nur das hübsche Blondchen spielen) und sehr geschickt gegen den Typ besetzt. Edward Norton wirkt in seiner zurückhaltenden, intellektuellen Art äußerst attraktiv und ist die interessanteste Figur, obwohl sich die Geschichte auf Watts konzentriert. Diana Rigg taucht erst spät als Mutter Oberin eines chinesischen Waisenhauses auf und besitzt noch immer große Leinwand-Präsenz, auch wenn ihre Rolle nicht wirklich viel hergibt. Maughams Betrachtungen über die Natur der Liebe (bzw. die Unterscheidung zwischen körperlicher Anziehung/Begehren auf der einen, sowie Respekt, Vertrauen und Zusammengehörigkeit auf der anderen Seite) bleiben im Hintergrund, und Curran findet nicht wirklich den Grund, warum DER BUNTE SCHLEIER heute noch brennend interessieren sollte. So ist sein Film (der übrigens von Watts und Norton co-produziert wurde) schönes, altmodisches und durchaus anspruchsvolles Kostümkino, das niemandem weh tut, aber auch - zumindest bei mir - keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Wie man hier gut nachlesen kann, gehen die Meinungen allerdings stark auseinander, und das ist auch gut so.

04/10

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