Mittwoch, 17. Februar 2010

Das Waisenhaus (2007)

Der spanische Horrorfilm DAS WAISENHAUS aus dem Jahr 2007 belebt die alte Tradition des Geisterfilms auf unheimliche und extrem spannende Weise neu und bietet wunderbar altmodische Grusel-Unterhaltung im modernen Gewand.
Wer seine Horrorfilme lieber bluttriefend und actionlastig mag, der dürfte sich hier eher langweilen, aber für Freunde des subtilen Schreckens ist er eine wahre Perle und für mich der effektivste Schocker der letzten Jahre.

Die Geschichte: die verheiratete Laura (Belén Rueda) kehrt nach vielen Jahren in das alte einsame Haus zurück, das früher ein Waisenhaus war, in welchem sie ihre Kindheit verbracht hat. Als ihr kleiner Sohn sich plötzlich mit unsichtbaren Spielkameraden unterhält und kurz darauf spurlos verschwindet, kommt Laura einem tragischen Ereignis aus der Vergangenheit auf die Spur...

DAS WAISENHAUS ist sehr ruhig, aber ohne eine einzige Länge erzählt und schafft von Anfang an eine enorm dichte Atmosphäre. In der Hauptrolle überzeugt die charismatische Belén Rueda als verzweifelte Mutter, die stark an Deborah Kerrs Darstellung im Klassiker "Schloss des Schreckens" (1961) erinnert, welcher das deutlichste Vorbild vom WAISENHAUS zu sein scheint. Hier wie dort greift eine unbearbeitete Vergangenheit nach der Gegenwart. Beunruhigende Wesen unter skurrilen Masken, ein kindliches Versteckspiel, ein düsterer Schuppen und ein seltsames altes Kindermädchen (das für den größten Schockmoment des Films sorgt) halten den Zuschauer in Dauerspannung.

Produziert wurde DAS WAISENHAUS von Guillermo del Toro (Pans Labyrinth), Regie führte erstmalig J.A. Bayona, was bei der sehr sicheren Hand doch erstaunt. Im Finale erreicht sein Werk eine Bedrohlichkeit, die ich lange nicht im Genre gesehen habe, und in welcher ein simpler Abzählreim eine geradezu schreckenerregende Wirkung erzielt. Einige wenige Klischees sind zu vernachlässigen, dazu gibt es ein Wiedersehen mit der großartigen Geraldine Chaplin als Medium (in einer sehr an "Poltergeist" erinnernden Sequenz), Kamera-Arbeit und Musik werden grandios eingesetzt.

Trotz der Anspielungen auf Horror-Klassiker ist DAS WAISENHAUS ein sehr eigenständiger Film, der nie die Intelligenz des Zuschauers beleidigt und auf höchstem Niveau hochspannend unterhält. Für mich ein absolutes Meisterstück, das man nicht genug würdigen kann.

09/10

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