Montag, 15. Februar 2010

Das Tal der Puppen (1967)

Lust auf ein paar hübsche und naive Mädels, die von den Mühlen des Showgeschäfts zerrieben und für ihre Sünden (sprich: Erfolg und Selbstständigkeit) ordentlich vom Schicksal bestraft werden?
Dann dürfte DAS TAL DER PUPPEN genau das Richtige sein! Die Verfilmung des sensationellen Bestsellers von Jacqueline Susann war 1967 ein Mega-Hit und gilt heute als einer der besten schlechten Filme aller Zeiten.

DAS TAL DER PUPPEN erzählt parallel von Neely (Patty Duke), Anne (Barbara Parkins) und Jennifer (Sharon Tate), die im Showbusiness Karriere machen wollen. Pillenkonsum, Alkoholismus, tödliche Krankheiten, Pornos und Nervenheilanstalten warten auf sie...

DAS TAL DER PUPPEN ist von Anfang bis Ende ein Festival der Absurditäten: unbeholfene Shownummern, turmhohe Frisuren, grässliche Kleider, tonnenweise Makeup und mehr Sex und Abgründe als in sämtlichen DALLAS-Staffeln zusammen. Sämtliche "ernsten" Themen werden dabei in Seifenoper-Manier reißerisch aufgearbeitet, der komplette Film ist aber gleichzeitig von so unglaublicher Naivität, dass man sprachlos davor sitzt. Obwohl er sich stets bemüht, skandalös und verrucht zu wirken, ist er verklemmt ohne Ende. Den Darstellerinnen sieht man deutlich an, wie peinlich ihnen der Film ist. Schade besonders um die wunderschöne Sharon Tate, damalige Ehefrau von Roman Polanski, die wenig später vom Manson-Clan brutal ermordet wurde. Alle Männer im Film sind komplette Langweiler. Lediglich Hollywood-Ikone Susan Hayward rettet sich unbeschadet aus der Katastrophe (in einer Rolle, die zunächst von Judy Garland gespielt wurde, welche aber nach einer Woche ausstieg). Als hundsgemeine Diva kann sie fröhlich herumzicken und sich sogar mit Patty Duke einen Catfight in der Damentoilette liefern, bei dem sie ihre Perücke verliert.

Apropos Patty Duke - sie spielt eine hochtalentierte junge Sängerin (leider kann sie nicht singen), die ihren Durchbruch schafft und darüber tabletten- und alkoholsüchtig wird. Die Pillen nennen sich im Film "Puppen", und man fällt vor Lachen praktisch vom Sofa, wenn sie nach ihren "Püppchen" schreit. Die arme Patty landet schließlich in der Nervenklinik. Dort erreicht der Film seinen traurigen Höhe- bzw. Tiefpunkt mit einer Musical-Nummer (sind Heilanstalten nicht der ideale Rahmen für ausgefallene Show-Einlagen?), die Patty vor Mitinsassen darbietet - bis sie einen alten Freund im Rollstuhl erkennt, der - halb benommen - mit einstimmt, während er auf sie zurollt. Man wartet nur darauf, dass ein Pfleger beide in die Zwangsjacke steckt. Später landet dann eine endgültig gescheiterte Duke auf allen Vieren zwischen Mülltonnen in der Gosse und brüllt ihren Namen in Richtung Himmel. Man weiß aber nicht, ob das wieder nur eine Musical-Nummer ist. Das passiert eben mit Mädchen, die zu schnell auf der Karriereleiter nach oben wollen, sagt der Film.

Und jetzt kommt das große ABER. DAS TAL DER PUPPEN ist nicht nur trotz, sondern genau wegen dieser Aneinanderreihung von Geschmacklosigkeiten extrem unterhaltsam - wenn man ein Faible für Trash hat. Der Film steuert von einem Höhepunkt zum nächsten und bietet so viel Material zum Staunen, Kopfschütteln und Lachen, dass die Zeit wie im Flug vergeht. Ich habe DAS TAL DER PUPPEN schon x-mal gesehen und freue mich schon aufs nächste Mal, wenn es wieder heißt: "Ich will meine Puppen! Nur ein Püppchen!"

10/10

Nur ein Püppchen! Bitte, ich singe auch nie wieder!

Kommentare:

  1. So langsam stellt sich das Lachen wieder ein. Ich hatte mir - mit zunehmendem Alter wird frau milder - den Film noch einmal vorgenommen und fand ihn diesmal weitaus schlimmer als beim letzten Mal. Allerdings hatte ich auch nicht genügend Bier im Keller oder gleichgesinnte Filmfreunde auf dem Sofa, ein großer Fehler! Hayward schlägt sich tapfer, aber bei "I`ll plant my own tree" wäre ich vor Scham fast im Erdboden versunken. LG, Christine

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  2. Dabei gibt sie sich solche Mühe, wie eine erstklassige Transe rüberzukommen... Du bist aber auch streng (sie singt übrigens nicht selbst), ts ts ts. Ich kann es nicht oft genug sagen - ich LIEBE diesen Film! :-) Schön, von Dir zu hören, liebe Christine! LG, Mathias

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  3. Das hatte ich gehofft, dass sie dafür nicht auch noch ihre eigene Stimme hergegeben hat. Angesichts der vielen hübschen Taylor-Filme in den 70ern bin ich vielleicht zu verwöhnt, hm. Erst gestern habe ich mir "Ash Wednesday" angeschaut, ich denke der sollte nicht unkommentiert bleiben, mal sehen. Ich sollte mal wieder öfters vorbeischauen. Schade, dass es hier anscheinend keine Möglichkeit gibt, die letzten Kommentare abzurufen. So stoße ich manchmal nur zufällig auf eine interessante Diskussion. Bis denne, Christine

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  4. Die gibt es eigentlich, sie funktioniert nur leider sehr oft nicht :-(.
    "Ash Wednesday" habe ich immer noch nicht gesehen, aber wenn Du ihn empfiehlst, riskiere ich einen oder zwei Blicke. LG, Mathias

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  5. Nein, wirklich empfehlen kann ich den Aschermittwoch (DVD: Der Preis der Schönheit) nicht, aber als Taylor-Fan musste ich mal einen Blick riskieren (habe gerade mein "Leid" bei amazon geklagt). Und La Liz ist wirklich die Einzige, die sich Mühe gibt. Die kleine Nachtmusik fehlt mir noch, die soll ja auch ziemlich schräg sein. LG, Christine

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