Samstag, 13. Februar 2010

Das Schreckenskabinett des Dr. Phibes (1971)

Eine von Vincent Prices größten Darstellungen (obwohl seine Rolle fast stumm angelegt ist), und einer der unterhaltsamsten Horrorfilme aller Zeiten verbindet eine klassische Rachegeschichte mit poppiger Art Déco-Ausstattung, bizarre Sets und Kostüme, Unmengen an makaberem Humor und einige der scheußlichsten Todesarten zu einem absoluten Leckerbissen des Genres, der so erfolgreich war, dass er eine Fortsetzung erhielt und die Vorlage für eine weiteres Grusel-Meisterstück, "Theater des Grauens", lieferte.

Dr. Phibes (Price) hat bei einem Unfall weite Teile seines Gesichts und seine Stimme verloren (er spricht nur mit Hilfe einer elektronischen Vorrichtung in seinem Hals). Seine geliebte Ehefrau starb unter den Händen eines Ärzteteams. Mit seiner schönen Helferin Vulnavia (Virginia North) begibt er sich auf Rachefeldzug und tötet die Verantwortlichen im Stile der Plagen aus dem Alten Testament. Einem Arzt entfernt er sämtliches Blut aus dem Körper, eine Krankenschwester wird in Schutzhaft von einem Schwarm Heuschrecken zerfressen, ein weiterer Mediziner stirbt auf einem Maskenball mittels einer Froschmaske, die sein Genick bricht. Leiter des Ärzteteams ist der ergraute Joseph Cotten in einer herrlichen Spätrolle. Er muss in einem nervenzerrenden Finale um das Leben seines Sohnes kämpfen, der sich in der Gewalt von Phibes befindet.

Regisseur Robert Fuest findet durchgehend ungewöhnliche Bildkompositionen, die Kamera-Arbeit ist fantastisch. Die schrecklich-schönen Ereignisse werden vom Drehbuch mit so viel britischem Humor aufgelockert, dass man sich zwar wohlig gruseln, aber auch immer wieder befreit schmunzeln darf. Vincent Price gelingt es, praktisch ohne Text auszukommen und dennoch eine unheimliche und bewegende Präsenz zu erschaffen. Die Tragik seiner Figur, die unsterbliche Liebe zu der verstorbenen Gattin (Caroline Munro), macht ihn zu einem traurigen und sympathischen Monster. Und wer könnte je das Versteck von Phibes vergessen, einen alten Ballsaal mit gigantischer Orgel und einer mechanischen Band, die Musik aus den 20ern spielt?
DAS SCHRECKENSKABINETT DES DR. PHIBES ist 1971 entstanden und so frisch wie damals. Er sprüht nur so vor Fantasie und ist dem heutigen Horror-Kino um Sachen Stil, Eleganz und Witz um Lichtjahre voraus.

09/10

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