Mittwoch, 17. Februar 2010

Das Ritual (1989)

Altmeister John Schlesinger, dessen Arbeiten in den 80ern und 90ern bis auf "Fremde Schatten" eher dürftig ausfielen, hat 1987 mit DAS RITUAL (The Believers) den neben "Angel Heart" besten Voodoo-Thriller der Dekade abgeliefert. Leider war sein Film an den Kinokassen eher erfolglos und kam niemals über Geheimtipp-Status hinaus.

Martin Sheen spielt hier einen New Yorker Polizeipsychologen, der mit seinem Sohn über den tragischen Tod der Ehefrau (welchen wir in einer unglaublich packenden Eingangssequenz miterleben) hinwegkommen will. Dort gerät er in ein Netz aus Ritualmorden, Voodoo-Praktiken einer mysteriösen Sekte und einem teuflischen Plan, der ihn als Mörder seines eigenen Sohnes vorsieht...

Das Drehbuch - nach dem Roman von Nicolas Conde - stammt von Mark Frost, der gemeinsam mit David Lynch die Serie "Twin Peaks" aus der Taufe hob, und er besitzt ein gutes Händchen für Unbehagen. So bietet auch DAS RITUAL statt blutiger Exzesse eine intensive Atmosphäre, die sich auf den Zuschauer überträgt. Mit Martin Sheen steht ein exzellenter Schauspieler im Zentrum, und was einige Zuschauer als Schwäche des Films empfinden - nämlich den erwachsenen Konflikt um die fehlende Mutter und die gemeinsame Trauerarbeit von Vater und Sohn - ist für mich Teil seiner Stärke, weil John Schlesinger sich wirklich für seine Charaktere interessiert. Die von Sheen gespielte Figur steht in einer langen Tradition von Filmhelden, die aufgrund der Ereignisse begreifen müssen, dass Okkultismus und Magie existieren, so wie es Dana Andrews in Jacques Tourneurs "Fluch des Dämonen" oder Peter Wyngarde in "Night of the Eagle" erkennen mussten. Schlesinger orientiert sich damit an klassischen Vorbildern und verbindet diese mit einem ultra-realistischen Ambiente des zeitgenössischen Schmelztiegels New York.

Neben Sheen glänzen Jimmy Smits als verzweifelter Ex-Patient, Robert Loggia und Helen Shaver, die ebenfalls in die Fänge des Voodoo-Kultes gerät und mittels eines verhexten Puders den absoluten Alptraum durchlebt - in einer Sequenz, die fast zu schrecklich ist, um sie vollständig mitansehen zu können. Das Finale ist dazu hochspannend. Die FSK 18-Freigabe ist heute unhaltbar und hat wahrscheinlich mit der drohenden Kindstötung zu tun, aber sicher weiß man das ja nie.

Wer intelligenten, anspruchsvollen Horror mag, in dem Erwachsene im Mittelpunkt stehen und glaubwürdige Figuren agieren, dem kann ich DAS RITUAL sehr ans Herz legen, er ist kaum gealtert und besser als alles, was sich heute an Folter- und Schlitzerfilmen im Kino herumtreibt, zumindest aus meiner Sicht.

08/10

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