Sonntag, 14. Februar 2010

Das Haus der sieben Sünden (1940)

Von Marlene Dietrich findet sich zwar auf dem Cover der DVD keine Spur, aber dennoch ist DAS HAUS DER SIEBEN SÜNDEN ganz und gar ihr Film. "Ein Mädchen wie mich findet man überall", sagt sie als Barsängerin Bijou Blanche, aber eine Leinwandgöttin wie Dietrich findet man leider nirgendwo mehr. Ihre außerordentliche Filmpräsenz, die coole Lässigkeit, mit der sie raucht, singt, flirtet und liebt, wegen der Kneipen in Einzelteile zerlegt werden und ein Gerichtssaal in Aufruhr gerät, und die regelmäßig wegen der erotischen Aufstände, die sie verursacht, des Landes verwiesen wird, darum geht es in diesem kleinen Klassiker von 1940, der kurz nach Dietrichs furiosem Comeback "Der große Bluff" produziert wurde.

Der Inhalt ist nebensächlich und bekannt - die aufreizende Bijou wird von allen Männern - vorwiegend Seeleuten - umschwärmt, doch nur einem wird am Ende ihr Herz gehören. Aber ist diese Lady wirklich zu bändigen? John Wayne jedenfalls will es versuchen.

Marlene Dietrich spielt die Rolle der verruchten Entertainerin mit Herz und Schnauze praktisch mühelos, so sehr hat sie dieses Image perfektioniert. "Uh, die Navy!", schnurrt sie lächelnd, als sie einen Haufen Uniformierter Billard spielen sieht und sich umgehend dazu gesellt, um den Herren zu zeigen, wie man die Kugel spielt. Sie trägt unglaubliche Kostüme, Schleier, Hüte und glitzernden Schmuck, jeder ihrer Auftritte wird heftig zelebriert. Zu ihrer besten und unvergessenen Nummer "The Man's In The Navy" trägt sie selbst Uniform, das fröhliche Spiel mit Geschlechterrollen war eines ihrer Markenzeichen seit "Marokko". Anders als unter ihrem Förderer Josef von Sternberg ist die Marlene im "großen Bluff" und den SIEBEN SÜNDEN aber keine anbetungswürdige Statue, sondern eine Frau aus Fleisch und Blut, eine Göttin zum Anfassen, sozusagen - wobei man ihr auch nicht ZU nahe kommen darf, sonst hinterlässt Marlene schmerzende Brandzeichen mit ihrer Zigarette.

John Wayne wird im Vorspann noch unter Dietrich und dem Titel genannt, er spielt lediglich die zweite Geige im Hollywood-Orchester, das von Dietrich dirigiert wird. DAS HAUS DER SIEBEN SÜNDEN bietet jedenfalls genug Spaß, Komik, dramatische Konflikte und Großaufnahmen von Marlene, dass man sich seufzend zurücklehnen und ein saftiges Stück Kino von damals genießen kann.

07/10

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