Mittwoch, 17. Februar 2010

Das Grauen (1980)

DAS GRAUEN (The Changeling) ist ein kanadischer Horrorfilm von 1980 und einer der unheimlichsten Grusler dieses Jahrzehnts, der seinen Schrecken in klassischer Manier allein über Suggestion erzeugt, (fast) ohne Gewalt, Splatter oder Teenager, was ihn schon seinerzeit zu einem eher altmodischen Beitrag des Genres machte. Seine Klasse und die mitreißende Leistung von Hauptdarsteller George C. Scott haben ihn aber jung und spannend gehalten.

Der Inhalt: George C. Scott spielt hier einen Musikprofessor, der bei einem tragischen Unfall Kind und Frau (Jean Marsh) verliert und in ein abgelegenes, düsteres Haus zieht. Dort aber spielen sich merkwürdige Vorgänge ab - er hört Geräusche, eine Kinderstimme, ein Ball rollt die Treppe hinab. Schließlich kommt er einer lange zurückliegenden Tragödie auf die Spur, die sich im Haus abspielte, und in die ein hochrangiger Politiker (Melvyn Douglas) verwickelt ist...

Viele Elemente aus DAS GRAUEN finden sich im modernen Horrorkino wieder, angefangen von "Ring" bis "Das Waisenhaus". Die eisige Winter-Atmosphäre, die Stille und die unheimlichen Ereignisse zerren an den Nerven. Wer den Film einmal gesehen hat, vergisst nie den alten Kinder-Rollstuhl in der verstaubten Dachkammer, der plötzlich ein Eigenleben entwickelt und Hauptdarstellerin Trish Van Devere und dem Zuschauer einen Herzinfarkt der Güteklasse A beschert. Auch das laute Tap-Tap-Tap, das durchs leere Haus dröhnt, und dessen Ursprung sich später als Todeskampf aus der Vergangenheit entpuppt, erzeugt Gänsehaut. Ein weiterer Höhepunkt ist die Séance, in der Scott mit Hilfe eines Mediums Kontakt zum Hausgeist aufnehmen will. Die Hintergründe des Spuks sind glaubwürdig erzählt und unvorhersehbar (es sei denn, man macht sich Gedanken, was der Originaltitel bedeuten könnte). Der brillante George C. Scott sorgt mit seiner Präsenz zusätzlich für Seriosität und Ernsthaftigkeit. Kaum vorstellbar, dass ein über 60-jähriger Professor heutzutage die Hauptfigur in einem Horrorfilm wäre. So dürfte auch der gesamte Film einem jungen Horror-Publikum eher nicht gefallen - das zeigen ja auch einige Rezensionen.
Regisseur Peter Medak (Die Krays - Zwei mörderische Leben) beweist viel Gespür für Gruselatmosphäre. Insgesamt ist DAS GRAUEN mit 102 Minuten vielleicht einen Tick zu lang geraten, aber die bedrohliche Stimmung und wirkungsvollen Schocks sorgen dafür, dass er lange im Gedächtnis bleibt, selbst wenn man den belanglosen Titel vergessen hat.

09/10

Kommentare:

  1. Ich habe mich lange nicht mehr so gegruselt wie bei "Das Grauen". Meine Güte! Da können viele andere Filme einpacken. Gerade weil der Hauptdarsteller ein 60-Jähriger ist, von dem man annimmt, dass ihn nichts mehr irritieren könnte - höchstens sein eigener körperlicher Verfall - und schon gar nicht Gegenstände auf verstaubten Dachböden oder Stimmen und Geräusche, gerade deshalb kam ich unglaublich gut in die Story hinein und war selbst von der Seance (Humbug!) sehr ergriffen. Die Szene war echt gut gemacht, es liefen mir tatsächlich ein paar Schauer über den Rücken. Einziges Manko vielleicht: es war ein bisschen zu viel Übersinnliches drin, aber gegruselt hat man sich trotzdem noch genug. Kein Wunder, dass viele von ihm gekupfert haben.

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  2. Ja, ein Super-Grusler, komisch, dass der so wenig bekannt ist.

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