Mittwoch, 17. Februar 2010

Das Gesetz der Begierde (1987)

Nachdem Pedro Almodóvars DAS GESETZ DER BEGIERDE lange Zeit nur schwer zu bekommen war (auch wegen der Freigabe ab 18), ist er nun endlich auf DVD erhältlich, ungekürzt und frei ab 16. Almodóvar hat seinen Film oft als Schlüsselwerk bezeichnet, er entstand kurz vor seinem internationalen Durchbruch mit "Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs" und zählt zu seinen besten, persönlichsten und kompromisslosesten Werken.

Der Inhalt vom GESETZ DER BEGIERDE lässt sich kaum sinnvoll zusammenfassen: Regisseur Pablo (Eusebio Poncela) liebt Juan, doch der lässt ihn im Stich. Der eigentlich heterosexuelle Fan Antonio (Antonio Banderas), mit dem Pablo eine heiße Nacht verbringt, liebt Pablo so sehr, dass er zum psychopathischen Stalker mutiert. Pablos Schwester Tina (Carmen Maura) hieß früher Tino, war ein Mann und in den eigenen Vater verliebt, für den er/sie sich umoperieren ließ. Das komplexe Beziehungsgeflecht mündet schließlich in einer Verzweiflungstat des zurückgewiesenen Antonio, der sich nicht mehr anders zu helfen weiß als durch Gewalt...

So bizarr dies klingt, so ist es auch, und es gehört zur unglaublichen Kunstfertigkeit Almodóvars, dass selbst die extremsten Charaktere und Situationen in seinem künstlerischen Universum absolut glaubwürdig bleiben. Bereits in der ersten Szene, wenn Pablo einem Darsteller Anweisungen zur Masturbation vor der Kamera gibt, wird klar, dass dies kein Film für Jedermann sein dürfte. DAS GESETZ DER BEGIERDE bietet alles, was den frühen Almodóvar so einzigartig, unverwechselbar macht. Er ist schrill, laut, quietschbunt, schockierend, melodramatisch, komisch, spannend, komplett Over the Top und bricht alle Tabus, die ihm in den Weg kommen. Er ist besessen von Telefonen, Sex und Katholizismus, von unstillbaren Begierden und Opfern, die Menschen aus Liebe bringen, oder dem, was sie dafür halten.

Almodóvars Charaktere sind so reich an menschlichen Schwächen und Eigenarten, dass man sie niemals verachten oder ablehnen kann, selbst wenn sie schreckliche Dinge tun. Almodóvar liebt jeden von ihnen. Seine Muse Carmen Maura spielt hier ihre beste Rolle als transsexuelle Tina, die im Theater Cocteaus "Die menschliche Stimme" probt, ein Ein-Personen-Stück, welches in vielen weiteren Werken Almodóvars eine wichtige Rolle spielt. Wenn Maura sich an einem heißen Sommerabend von der Stadtreinigung mit einem Wasserstrahl abspritzen lässt und dabei vor Freude juchzt, sprengt die pralle Lebensfreude jede Leinwand. Diese enorme Lust und Leidenschaft steckt in jeder Minute des Films.

DAS GESETZ DER BEGIERDE ist ein saftiges, grelles Stück Kino über das Leben, das Werk eines jungen Wilden, schonungslos offen und künstlerisch packend, dabei hoch unterhaltsam. Neben dem späteren (erwachsenen) Meisterwerk "Alles über meine Mutter" ist dies mein liebster Almodóvar.

10/10

Der Künstler und sein Fan

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