Samstag, 13. Februar 2010

Das Geheimnis von Malampur (1940)

DAS GEHEIMNIS VON MALAMPUR (The Letter) aus dem Jahr 1940, nach einer Kurzgeschichte von William Somerset Maugham, gehört zu den großen, unsterblichen Hollywood-Klassikern.

Die Story: die Ehefrau eines Plantagenbesitzers in Singapur (Bette Davis) erschießt einen nächtlichen Besucher und behauptet, er wäre ihr zu nahe getreten, sie habe sich nur verteidigt. Ehemann (Herbert Marshall) und Anwalt (James Stephenson) glauben an ihre Unschuld, doch ein Brief taucht überraschend auf, der eine ganz andere Version nahelegt...

Regisseur Wiliam Wyler war Bette Davis' erklärter Lieblingsregisseur, mit ihm hat sie die ebenso grandiosen "Jezebel - Die boshafte Lady" (1938) und "Die kleinen Füchse" (1941, auf dessen DVD-Veröffentlichung ich verzweifelt warte) gedreht, und kaum jemand hat sie so gut geführt wie er.

Bette Davis beherrscht den gesamten Film. Bereits zu Beginn, wenn sie nach der Tat ihrem Ehemann und dem Anwalt die Ereignisse schildert, gibt sie dem Publikum gezielt Hinweise, dass es sich bei ihrer Erzählung nicht unbedingt um die Wahrheit handelt (sie ist eine Spur zu kühl und beherrscht), während die Charaktere um sie herum voll und ganz auf ihrer Seite sind. Diese Sequenz ist ein Paradebeispiel dafür, wie Wyler seine Zuschauer nie für dumm verkauft. Es wäre ein Leichtes für ihn gewesen, die Davis als emotionales Opfer zu zeigen (sie hätte das ohne Zweifel spielen können), um dann später die Wahrnehmung in einer "überraschenden Wendung" zu kippen, doch er wählt einen viel klügeren Weg, weiht uns ein, lässt uns Zweifel bekommen und steigert dadurch die Spannung.

Davis' Hang zu Manierismen, der viele ihrer späteren Darstellungen reif für Parodien machte, wird von Wyler unter Kontrolle gehalten. Er fängt die schwüle Atmosphäre der (Studio-)Location wunderbar ein, hält den Film straff und auf hohem Tempo. Immer wieder wird der nächtliche Vollmond über der Plantage eingeblendet, der die Dinge sichtbar und unsichtbar machen kann...

Neben Davis kann vor allem James Stephenson als Anwalt begeistern, der zwischen Pflicht, Moral und Loyalität hin- und hergerissen wird. Der stets verlässliche Herbert Marshall sollte auch im folgenden "Little Foxes" das Opfer von Davis' Intrigenspiel werden und hat auch hier als liebender Ehemann kaum eine Chance gegen sie.

Was besonders beeindruckt ist die Tatsache, dass dieser Film von 1940 ohne alle technische Möglichkeiten, die heutigen Regisseuren in Hollywood zur Verfügung stehen, vom ersten Moment an bis zum Finale durchgehend fesselt, und das allein, weil ein hervorragendes Drehbuch, brillante Darsteller und ein Meisterregisseur ausreichen, um einen unvergesslichen Film zu schaffen, der nicht altert und an dem es einfach nichts auszusetzen gibt. Ich kann mich jedenfalls nicht erinnern, einen derart guten Film zuletzt im Kino gesehen zu haben, leider.

10/10


Diva mit Revolver - Bette Davis in "The Letter"

Kommentare:

  1. Schön, ich habe auch gerade etwas zum Brief geschrieben. Den liebe ich, den kann mir auch Jeffrey Robinson nicht verleiden: "the umpteenth shot of the full moon... there seemed to be dozens of them that month because every evening she went out, there was another moon moving behind clouds". LG, Christine

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  2. Nein, wer hier etwas auszusetzen hat, liebt einfach das Kino nicht. Ich habe den Film erst vor ca. einem Jahr das erste Mal gesehen, als ich mich mehr mit Bette Davis befasst habe, und ich bin jetzt noch begeistert. LG, Mathias

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