Sonntag, 14. Februar 2010

Das Geheimnis der falschen Braut (1969)

Als Francois Truffauts DAS GEHEIMNIS DER FALSCHEN BRAUT 1969 herauskam, wurde er von Publikum und Kritikern gleichermaßen abgelehnt. Niemand wollte den jungen Belmondo als tragischen Verlierer und die schöne Deneuve als abgründige Mörderin sehen. Heute kann man feststellen, dass es sich um einen von Truffauts besten Filmen handelt, in dem er seine Vorliebe für Hitchcock und sein Talent zur Schauspielführung gleichermaßen brillant einsetzt, um einen klassischen Film Noir-Stoff für die späten 60er zu inszenieren.

Nach einem Roman von Cornell Woolrich (der schon die Vorlage für Truffauts großartigen DIE BRAUT TRUG SCHWARZ lieferte) erzählt DAS GEHEIMNIS vom jungen Tabak-Plantagenbesitzer Louis (Belmondo), der per Heiratsannonce die schöne Julie (Deneuve) kennenlernt und wenig später ehelicht. Julie ist jedoch keineswegs die Person, die sie vorgibt zu sein und verschwindet bald mitsamt seinem Vermögen. Louis macht sich mit Rachegedanken auf die Suche nach ihr, doch als er ihr wieder begegnet, verfällt er ihr erneut. Julie zieht ihn immer tiefer in ein Netz aus Leidenschaft und Mord, bis Louis schließlich selbst um sein Leben fürchten muss.

Deneuve und Belmondo sind gegen ihren Typ genial besetzt und ein so aufregendes Paar, wie man es nicht häufig im Kino findet. Deneuve spielt ihre ultimative Femme Fatale und Hitchcock-Blondine (nach außen kühl, aber mit Feuer unter der Oberfläche) perfekt bis ins Detail und wird von Truffaut und der Kamera offensichtlich über alle Maßen verehrt. DAS GEHEIMNIS und der spätere DIE LETZTE MÉTRO sind auch Liebeserklärungen an Catherine Deneuve. Ob man Belmondo als verliebten Schwächling akzeptieren kann, hängt davon ab, wie sehr man sich auf den Film einlassen will bzw. wie gut man das Draufgänger-Image des Schauspielers abschütteln kann. Ich liebe ihn als tragischen Helden, und wer sagt schon, dass durchtrainierte Männer keine sanftmütigen Verlierer sein können? Eben.

Obwohl hier die spannende Handlung mit ihren zahlreichen überraschenden Wendungen fesselt, sind es besonders die komplexen Figurenbeziehungen, die dem Thriller die Tiefe geben, und an denen Hitchcock seine Freude gehabt hätte. Kein Charakter ist ohne Untiefen, und so ist DAS GEHEIMNIS DER FALSCHEN BRAUT auf jeder Ebene ein faszinierendes Filmerlebnis - nicht zuletzt durch die fantastischen Schauplätze. Hollywood hat 2001 mit ORIGINAL SIN ein unsägliches Remake mit Angelina Jolie und Antonio Banderas produziert, um das man lieber einen großen Bogen machen sollte.

09/10

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